17/01/2013 | Rückmeldung | PDF | drucken
No 108

Schmid, Martin

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geboren 26.9.1694 Baar,gestorben 10.3.1772 Luzern, kath., von Baar. Sohn des Martin, Säckelmeisters, und der Maria Katharina Hurter. Schüler des Jesuitengymnasiums in Luzern. 1717 Eintritt ins Noviziat der Jesuiten in Landsberg (Bayern), Stud. in Hall (Tirol) und Ingolstadt (Bayern). 1726 Priesterweihe und Bestimmung zum Missionar in Südamerika. Der Engl.-Span. Krieg verhinderte die Abreise aus Sevilla bis 1728. Auf dem Landweg von Buenos Aires über Potosí erreichte S. 1730 das Missionsgebiet der Chiquitos (heute Bolivien). Er wirkte v.a. in San Javier. Seine Missionsmethode ist ein Musterbeispiel für die Verbindung traditioneller kath. Seelsorge (Liturgie, Predigt, Katechese, Marienverehrung, Betreuung der Kranken) und der Akkulturation der Indios in den jesuit. Missionen, den sog. Reducciones. Dabei kam ihm seine manuelle, künstler. und musikal. Begabung zugute. S. bildete die Einheimischen zu Webern, Töpfern, Zinn- und Glockengiessern, Zimmerleuten, Bildschnitzern, Ziegelbrennern und Instrumentenbauern aus und betätigte sich als Komponist. In San Rafael, San Javier und Concepción liess er 1745-55 nach eigenen Plänen Kirchen im lokal abgewandelten Kolonialbarock (hölzerne Hallenbauten) bauen. Über seine Tätigkeiten berichtete er in Briefen an Familienangehörige und Mitbrüder. Nach 38 Jahren Missionstätigkeit wurde er vom Ausweisungsdekret der span. Regierung betroffen und über Arica (heute im Norden Chiles) nach Spanien deportiert. 1770 kehrte er in die Oberdt. Jesuitenprovinz zurück. Seinen Lebensabend verbrachte er ab 1771 im Jesuitenkolleg Luzern.


Archive
– Bayer. Hauptstaatsarchiv, München, Briefe
– StAZG, Korrespondenz
Literatur
– F.A. Plattner, Ein Reisläufer Gottes, 1944
P. Martin S. SJ, 1694-1772, bearb. von R. Fischer, 1988
Martin S., 1694-1772, Ausstellungskat. Luzern, 1994
– E. Kühne, Die Missionskirchen von Chiquitos im Tiefland von Bolivien, 2 Bde., 2008

Autorin/Autor: Rainald Fischer