No 1

Cysat, Johann Baptist

geboren 12.3.1587 Luzern, gestorben 3.3.1657 Luzern, kath., von Luzern. Sohn des Renward ( -> 5). Nach Studium am Luzerner Kolleg trat C. 1604 in Landsberg (Bayern) das Noviziat als Jesuit an. In Ingolstadt (Bayern) studierte er 1607-10 Philosophie und unterrichtete 1610-13 Grammatik. 1613-17 studierte er ebenda Theologie und wurde 1617 in Eichstätt (Bayern) zum Priester geweiht. 1618 folgte er seinem Lehrer, dem Jesuiten, Mathematiker und Astronomen Christoph Scheiner, mit dem er zuvor eng zusammengearbeitet hatte, auf dem Lehrstuhl für Mathematik in Ingolstadt nach. 1621 legte er Profess ab.

1623-27 hatte C. am Kolleg in Luzern das Rektorat inne, dessen Ende Spannungen mit Schultheiss Walter Amrhyn herbeiführten. C. wurde nach Madrid geschickt und war dort 1627-28 Mathematikprof. am Collegium imperiale. Als Beichtvater begleitete er 1629 den span. Gesandten Gf. Francisco de Castro nach Österreich. 1630 leitete er den Bau der Kollegkirche in Amberg (Bayern); als Rektor in Innsbruck 1632-36 begann er den Neubau der dortigen Universitätskirche, den er 1646 zu Ende führte. 1646-50 zuerst Vizerektor, dann Rektor in Eichstätt, wirkte C. ab Sept. 1650 als Spiritual sowie als Prof. für Hl. Schrift und Kontroversen wieder am Luzerner Kolleg. Er baute Fernrohre, beobachtete als einer der Ersten die Sonnenflecken und entdeckte den Orionnebel. 1619 veröffentlichte er die "Mathemata astronomica", eine Schrift über den 1618-19 beobachteten Kometen, die sehr bekannt wurde. C., der im Briefwechsel mit Johannes Kepler stand, zählt zu den bedeutendsten Schweizer Physikern und Mathematikern des 17. Jh. Ein Ringgebirge am Südpol des Mondes wurde vom Jesuiten Giovanni Battista Riccioli nach ihm benannt.


Literatur
DSB 3, 528 f.
HS VII, 139-141
Biogr. Lex. der Ludwig-Maximilians-Univ. München 1, hg. von L. Boehm et al., 1998, 77-79

Autorin/Autor: Hanspeter Marti