Saint-Cergue

Polit. Gem. VD, Bez. Nyon, an der Strasse über den Col de la Givrine gelegen. Die Gem. umfasst das Dorf. S. und einen Teil des Weilers La Cure, der seit dem Vertrag über das Dappental von 1862 zu S. gehört und beidseits der franz.-schweiz. Grenze liegt. 1110 ecclesiam Sancti Cyrici. 1764 171 Einw.; 1850 362; 1900 376; 1950 409; 1980 541; 2000 1'601. Röm. Siedlung bei Les Alleveys, latènezeitl., röm. und frühma. Gräberfelder bei Le Vieux-Château, Überreste der ma. Ringmauer und der Burg. Ab 1110 gehörte die Region der Abtei Saint-Claude, die sie 1279 den Herren de Thoire-Villars zu Lehen gab. Diese bauten um 1299 eine Burg, die in den Burgunderkriegen zerstört wurde. Die Abtei trat die Kastvogtei 1350 an die de Chalon ab und verbriefte den Bürgern von S. 1357 Freiheiten. 1412 bemächtigten sich die Herren von Savoyen vorübergehend der Burg, um den Passübergang zu kontrollieren. Im 15. Jh. dehnte der savoy. Kastvogt von Nyon seine Gerichtsbarkeit auf S. aus, während die Rechte des von Saint-Claude eingesetzten Kastvogts auf das Städtchen beschränkt wurden. S., das ab 1668 von einem sechsköpfigen Rat verwaltet wurde, gehörte unter bern. Herrschaft 1536-1798 zur Vogtei Nyon. Seit 1798 ist es Teil des gleichnamigen Bezirks. Der Grenzkonflikt zwischen Bern und der span. Freigrafschaft, die das Gebiet von S. für sich beanspruchte, wurde 1606 vertraglich zugunsten Berns entschieden. Die einst selbstständige Pfarrei S. mit der Kirche Saint-Cyrice war von der Reformation bis 1713 der Kirchgemeinde Arzier angegliedert. Die Bewohner von S. lebten hauptsächlich von der Waldwirtschaft und betrieben Viehzucht. 1669 wurden zwei Jahrmärkte bewilligt. Der Bau der Strasse Nyon-Morez 1830 und der Eisenbahnlinie Nyon-S. 1916 sowie deren Verlängerung bis La Cure 1918 und bis Morez zwischen 1921 und 1958 erschloss das Gebiet für den Tourismus und den Wintersport. Im 20. Jh. wuchs die Bevölkerung von S. konstant. Wegen seiner tourist. Infrastruktur wurde S. als Erholungs- und Freizeitgebiet in den Richtplan des Raumplanungsverbands der Region Nyon aufgenommen. 2000 arbeiteten rund drei Viertel der erwerbstätigen Bevölkerung auswärts, v.a. in Nyon und Genf. 2005 stellte der 3. Sektor 87% der Arbeitsplätze in der Gemeinde.


Literatur
– J.-M. Volet, S., 22001

Autorin/Autor: Germain Hausmann / ANS