Ritz

Bergbauern- und Handwerkerfamilie aus dem Goms, die seit dem 17. Jh. neben einigen Ortsvorstehern und Boten auf dem Walliser Landrat zahlreiche Künstler hervorbrachte. Ursprünglich auch Riitsch oder Ritsch genannt. Der erste aktenkundige Vertreter der Familie war Hans Riitsch von Obergesteln, der um 1486 als Hauptmann eine Freikompanie in Norditalien anführte. Die Familie stammt aber wohl aus dem heute verlassenen Weiler Rottenbrigge (Niederwald), wie etwa Simon Ritsch, 1568 Meier von Goms und 1587 Bote auf dem Landrat. Die Familie verzweigte sich nach Selkingen, Blitzingen, Ernen, Bellwald und Bitsch. Die Altarbauer- und Bildhauerfamilie aus Selkingen schuf nicht nur im Goms, sondern auch im restl. Oberwallis, in Uri und Graubünden viele Barockaltäre. Ihr erster und wichtigster Vertreter war Johann ( -> 4). Dessen ältester Sohn Johann Jodok (1697-1747) übernahm die Werkstatt mit seinem Schwager, dem Maler Hans Kaspar Leser. Johann Jodoks Sohn Johann Franz Anton (1722-ca. 1770) setzte die Tradition als Bildhauer und Maler in dritter Generation fort. Auch Johann Georg Garinus (1706-73), Pfarrer von Münster (VS) und Autor von Volksschauspielen, gehörte dieser Linie an. Die Bildhauerfamilie starb in vierter Generation aus.

In Niederwald ergriffen zu Beginn des 19. Jh. drei Söhne des Josef Ignaz, Landwirts, und der Katharina geb. Schwick, Tochter des Bildhauers Valentin, einen Künstlerberuf und begründeten die Malerfamilie: Lorenz Justin (1796-1870) war Porträt- und Kirchenmaler, Franz (1798-1859) Maler und Vergolder und Anton (1800-53) Bildhauer. Lorenz Justins Sohn Raphael ( -> 5) war einer der bedeutendsten Schweizer Kunstmaler seiner Zeit, Raphaels Sohn Walter ( -> 6) war Physiker und Mathematiker. Auch der Hotelkönig Cäsar ( -> 2) stammte aus Niederwald.


Literatur
– T. Seiler, «Dr. Johann Georg Garin R.», in BWG 1, 1890, 183-195, v.a. 183
– J. Lauber, «Bildhauerfam. R. von Selkingen», in BWG 3, 1905, 334-347

Autorin/Autor: Bernard Truffer