04/03/2004 | Rückmeldung | PDF | drucken

Coppet

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Polit. Gem. VD, Bez. Nyon, an der Strasse Lausanne-Genf am Ufer des Genfersees gelegen. 1294 Copetum, 1347 Copet. 1764 450 Einw.; 1850 471; 1900 561; 1950 616; 1970 1'097; 2000 2'360. Bronzezeitl. Seeufersiedlung, Überreste einer röm. Villa, Grabstele, Meilenstein des Ks. Antonius. 1271 erwarben die Herren von Thoire und Villars von Savoyen ein Gut in der Herrschaft von Commugny und gründeten dort den Marktort und das Schloss von C. Beide sind ab 1300 schriftlich bezeugt. 1314 ging die Herrschaft an die Adelsfam. Allamand über, die der Stadt 1349 Freiheiten gewährte. 1484 vereinigte der Hz. von Savoyen C. mit anderen Lehen und schuf daraus zugunsten Amadeus' von Viry die Freiherrschaft C. Unter Berner Herrschaft 1536-1798 gehörte C. zur Vogtei Nyon. Die Stadt wurde durch einen Zwölferrat und zwei Bürgermeister verwaltet. Die Freiherrschaft, welche die hohe Gerichtsbarkeit umfasste, ging in versch. Hände über. Um 1665 baute der Gf. zu Dohna das ma. Schloss zu einem unbefestigten Wohnsitz um; Gaspard de Smeth, der es 1767-71 besass, führte weitere Arbeiten aus. Jacques Necker, der das Gut 1784 erwarb, sind die Verschönerungen im Innern zu verdanken. Seine Tochter, Germaine de Staël, verlieh C. dank ihrer "Gruppe von C." - berühmten Gästen, die sie während des franz. Kaiserreichs dort beherbergte - europaweite Ausstrahlung. Das Schloss ging an ihre Nachkommen über, die Fam. d'Haussonville, die es 1948 der Öffentlichkeit zugänglich machte. C. gehörte immer zur Pfarrei bzw. Kirchgemeinde Commugny. Die ab 1300 erw. Kapelle Notre-Dame wurde mit dem Spital zusammengelegt, das im 15. Jh. durch die Bürger gegründet worden war. 1490 Bau eines Dominikanerklosters. Die 1500-10 im Flamboyant-Stil gebaute Klosterkirche wurde später ref. Kirche; 1774 und 1927 wurde sie restauriert. Als Grenzstadt zwischen der Waadt und dem Pays de Gex zog C. seinen Reichtum aus dem Transportgewerbe; im 18. Jh. sind vier Gaststätten bezeugt. Vom 14. bis zum 19. Jh. wurde Sandstein abgebaut. C. wies ferner einen Fischerhafen auf, Anfang des 18. Jh. Uhrmachergewerbe. 1803 wurde die Stadt Kreishauptort. Der jüngste demograf. Aufschwung ist auf die Autobahn und die Nähe Genfs zurückzuführen. 1946 Bau des Museums Vieux-C., 1991 der Sekundarschule der Terre-Sainte.


Literatur
– P. Beauverd, C., 1949
– B. D'Andlau, Le château de C., 41992

Autorin/Autor: Gilbert Marion / EJ