11/12/2007 | Rückmeldung | PDF | drucken

Henggart

Polit. Gem. ZH, Bez. Andelfingen. Im Zürcher Weinland an der A4 und der Bahnlinie Winterthur-Schaffhausen gelegen. 1228 de Hengart. 1733 290 Einw.; 1850 279; 1910 388; 1950 464; 1960 712; 1980 970; 2000 1'621.

Röm. Siedlungsspuren bei der Kirche. Burghügel und Ringwall Schlossbuck, ca. 500 m östlich des Dorfes, sind eher Überreste eines Refugiums der Frühzeit als einer ma. Burg. Ab 1228 bezeugte kyburg. Dienstleute von H. verliessen im 13. Jh. ihre Burg, einen kleinen Wehrturm auf dem Kirchhügel, verarmten im 14. Jh. und gingen in der Bürgerschaft der Stadt Laufenburg auf. Der Grundbesitz lag im SpätMA vorwiegend in den Händen der Klöster Rheinau, Allerheiligen, Kappel, Töss und des Stifts Kreuzlingen. Die Grenze des Blutgerichts zwischen den Herrschaften Kyburg und Andelfingen verlief mitten durch das Dorf. So gelangte H. definitiv 1452 mit Kyburg bzw. 1434 mit Andelfingen an Zürich. Der 1820 in klassizist. Stil erbauten Kirche gingen ein hoch- bzw. spätma. Gotteshaus voraus. Die Kollatur der 1275 erw. Kirche wechselte 1474 von Rheinau zum Domstift Konstanz und kam vermutlich mit der Reformation an Zürich. Getreidebau wurde im SpätMA und der frühen Neuzeit im Dreizelgensystem (1471 belegt) betrieben, daneben und bis heute Graswirtschaft und Weinbau. 1783 zählte Pfarrer Irmiger 15 Bauernhaushalte, 11 Halbbauern, 11 Tauner und einige Arme. Im Turpenloch wurde ab 1735 Torf gestochen, wegen Holzmangels 1798-99 und im 1. Weltkrieg intensiviert. 1799 erlitt H. nach einem Gefecht zwischen österr. und franz. Truppen Plünderungen, die Einw. flohen über die Thur nach Ossingen. Mit der 1857 eingeweihten Rheinfallbahn erhielt H. eine Station an der Strecke Winterthur-Schaffhausen. 1895 folgte eine moderne Wasserversorgung. Bereits 1938 fand eine Güterzusammenlegung statt. Das 1831 erstellte Primarschulhaus wurde 1971 durch einen Neubau mit Turnhalle ersetzt. Der übliche Rückgang der Landwirtschaft ab den 1960er Jahren war begleitet von starker Bautätigkeit (1967 Bauordnung). H. ist aufgrund seiner Lage in einem Erholungsgebiet begehrter Wohnort.


Literatur
– V. Zandonella, W. Straub, H., 1991

Autorin/Autor: Valentin Zandonella