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Kirchberg (BE)

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Polit. Gem. BE, Amtsbez. Burgdorf. Die Gem. umfasst das Dorf K., einen Brückenkopf am rechten Emmenufer, und den Weiler Bütikofen. K. bildet den Mittelpunkt der Kirchgemeinde und des Gemeindeverbands mit K., Aefligen, Rüdtligen-Alchenflüh, Kernenried, Lyssach, Rüti bei Lyssach, Niederösch, Oberösch und Ersigen. 1704 kam es zur Abtrennung von Guetisberg, 1911 von Bickigen und 1953 von Rumendingen. 994, 1182 Chilcberc. 1764 499 Einw.; 1850 1'092; 1900 1'733; 1950 2'776; 2000 5'244.

Auf archäolog. Einzelfunde stiess man in der Rüti (Neolithikum), im Emmenbett (Bronzezeit) und im Dorf (Latènezeit). Der burgund. Königshof K. kam auf Bitte Adelheids, der Grossmutter Ottos III., 994 als Schenkung (wohl mit Kirche) ans Kloster Selz im Elsass. Die Vogteiverwaltung des Besitzes hatten ab dem 13. Jh. die Herren von Thorberg inne. Ulrich von Thorberg befreite 1278 die Selzer Beamten in K. (Schultheiss, Keller, Bannwart) von Steuern, befestigte den Ort, erwirkte von Kg. Rudolf von Habsburg 1283 Stadtrecht (wie Bern) und Wochenmarkt und erhielt volle Gerichtsbarkeit. Eine städt. Entwicklung blieb aber aus. 1398 schenkte Peter von Thorberg die Vogtei (Reichslehen) seiner Kartause Thorberg, die sie 1406 an Selz abtrat, das seinerseits 1429 Vogtei und Gerichte Bern übergab. 1481 erwarb Bern den restl. Selzer Besitz samt Kirchensätzen. Das Gericht K. (Twingrecht 1465 kodifiziert) wurde dem bern. Landvogt in Wangen, 1471 dem Schultheissenamt Burgdorf unterstellt, nachdem schon ab 1431 das Kirchspiel K. dem Burgdorfer Ausburgerkreis zugewiesen worden war. Die 1208 erw. Kirche (ungesichertes Martinspatrozinium; bestehender Bau von 1506/07), wohl ab 994 bei Selz, wurde 1308 der Abtei inkoporiert, die den Vikar besoldete (1310). Weit gestreute Zehntrechte bezeichnen evtl. den ursprüngl. Umfang des Kirchspiels.

Bütikofen und K. waren ma. Zelgdörfer. Der gemeinsame Weidgang K.s mit Ersigen wurde 1465 geteilt. Versch. Steckhöfe standen ausserhalb des Zelgdorfs K. (1513 Passierrecht über Hofareal von Vilbringen). 1736 entschied Bern den langjährigen Streit zwischen K. und Burgdorf um die Uferwehr zum Schutz der Emmenbrücke. Im Abtausch der Emmenwehrpflicht erwarb K. im 19. Jh. von Bern Staatsland. Die Umstellung vom Getreidebau auf Milchwirtschaft (1852 Käserei) machte 1858 eine Güterzusammenlegung nötig - weitere folgten 1948 und 1964. Die gute Verkehrslage und die Nähe zur Stadt Burgdorf prägten die Gemeindeentwicklung. 1640 entstand im Gemeinwerk des Kirchspiels die Emmenbrücke in K. anstelle eines Stegs. Burgdorf, im Besitz des kyburg. Zolls von K., verweigerte 1661 die Hilfe beim Brückenunterhalt (1711 Fixum). Trotz Burgdorfs Opposition kam die 1756-64 erbaute Staatsstrasse Bern-Zürich über K. und der vereinfachte Zollbezug durch Bern zustande.

Von Burgdorf abgewiesene fremde Unternehmer, u.a. Henchoz, Boand und Hagenbach, liessen sich im 18. Jh. in K. nieder, wo sie Betriebe gründeten: 1756 eine Bleicherei bzw. Walke, 1784 eine Indienne-, später Kattundruckerei und vor 1750 ein Engroshandel. Noch 1816-43 verhinderte Burgdorf in K. einen Markt. Die Gründung des Handwerker- und Gewerbevereins 1871 und der Spar- und Leihkasse 1873 sowie die Burgdorf-Solothurn-Bahn (1876 Station in Alchenflüh) förderten K.s wirtschaftl. Aufschwung. 1871 entstand eine Tuchfabrik, 1872 der Konsumverein, 1890 ein Aluminiumwalzwerk und die Weberei Wydenhof. Das Projekt eines Flugplatzes unterhalb von K. wurde nach 1945 aufgegeben. Die Autobahn (1965 Anschluss) führte zu Bevölkerungszuwachs, Bautätigkeit und neuen Industrien. Während K. den Charakter eines Industrie- und Gewerbeorts aufweist, blieben Bütikofen und die Aussenhöfe Landwirtschaftszone mit reichem Waldbestand. Bütikofen (1759 91 Einw.) gehörte ab dem 17. Jh. zur Schule K., eröffnete 1819 eine eigene und betrieb 1856 und 1867 erfolglos seine Gemeindewerdung. K. verfügt über einige nennenswerte Landhäuser, v.a. den Kleehof (Duboisgut, 1765-68 erbaut) Johann Rudolf Tschiffelis, des Gründers der Ökonom. Gesellschaft, der den einst weit über Bern hinaus bekannten Musterbetrieb bewirtschaftete.


Quellen
SSRQ BE II/9
Literatur
Heimatbuch des Amtes Burgdorf und der Kirchgem. Utzenstorf und Bätterkinden, 2 Bde., 1930-38
– E. Egger, Hundert Jahre Sekundarschule K. und kurze Dorfgesch., 1936
– H. Ryser, Die Gesch. der Kirche K. (Bern), 1984
– H. Ryser, Die Kirchgem. K. im 18. und 19. Jh., 1987
– R. Hug, Bauinventar der Gem. K., 2002

Autorin/Autor: Anne-Marie Dubler