Tages-Anzeiger

Kurz nach der Zusammenlegung der Stadt Zürich mit ihren Aussengemeinden erschien am 2.3.1893 die erste Nummer des T.s in einer Auflage von 40'000 Exemplaren. Die beiden Gründer, der dt. Verleger Wilhelm Girardet und der ehem. NZZ-Redaktor Fritz Walz, konzipierten die Zeitung als überparteil. Familienblatt, das sich rasch entwickelte: 1913 betrug die Auflage 72'500 Exemplare, 1917 84'000, 1942 100'000, 1950 124'000, 1957 146'000, 1967 174'000, 1970 200'000, 1976 250'000, 1992 273'000 und 2010 203'636. 1912 wurde Girardet, Walz & Co. in eine Aktiengesellschaft, 1933 in die Tages-Anzeiger für Stadt und Kt. Zürich AG umgewandelt. Als Geschäftsleiter setzte Girardet 1893 seinen Neffen Hugo Isenburg, 1899 seinen Sohn Wilhelm und 1906 seinen Schwiegersohn Otto Coninx ein, der bis 1956 den T. führte. Ihm folgte 1956-78 dessen gleichnamiger Sohn. Die Fam. Coninx hält seit der Gründung der Aktiengesellschaft die Aktienmehrheit und stellte bis 2007 den Verwaltungsratspräsidenten. Mit der Gründung der Tochtergesellschaft Regina-Verlag AG und dem Erwerb der Verlagsrechte an der 1904 lancierten Zeitschrift "Das Schweizer Heim" erweiterte das Unternehmen 1927 seine Tätigkeit. Es kamen u.a. 1933 die "Schweizer Familie", 1982 die "Annabelle", 2000 das 1928 gegr. Börsenblatt "Finanz und Wirtschaft" und 2007 "Der Bund" hinzu. Während der Hochkonjunktur wurde als Beilage zum T. 1966 ein separater "Stellen-Anzeiger" eingeführt, 1970 das erfolgreiche "T. Magazin". 1987 wurde die "SonntagsZeitung" gegründet, 1999 die Gratiszeitung "20 Minuten". Nachdem der T. als eine der ersten Zeitungen den gesamten redaktionellen Inhalt im Internet angeboten hatte, baute er 2000 sein Angebot mit Online-News rund um die Uhr aus. Die Firma, seit 1993 unter dem Namen Tamedia AG, entwickelte sich zu einem schweizweit operierenden Medienkonzern, dem 2009 19 Zeitungen, sieben Zeitschriften, mehrere Internetportale sowie private Radio- und Fernsehsender (Radio 24, Tele Züri, Tele Bärn) gehörten. Nach dem schrittweisen Zusammenschluss mit der Edipresse ab 2009 zog sich die Tamedia 2011 mit dem Verkauf von Tele Züri und Tele Bärn an die AZ Medien aus dem Fernsehgeschäft zurück.


Archive
– Archiv der Tamedia AG, Zürich
Literatur
NZZ, 2.3.1993
– W. Catrina et al., Medien zwischen Geld und Geist, 1993

Autorin/Autor: Christian Baertschi