Ogens

Polit. Gem. VD, Bez. Gros-de-Vaud. Strassendorf zwischen Echallens und Payerne, auf einem Plateau über dem rechten Ufer der Mentue gelegen. 1166 Ogens. 1803 240 Einw.; 1850 372; 1900 357; 1950 224; 1980 180; 2000 227.

1955 entdeckte Rodolphe Kasser in La Baume d'O. am Fuss einer Molassefelswand am rechten Ufer der Augine vier Abris aus dem Mesolithikum. Für den wichtigsten dieser Lagerplätze lassen sich sechs Belegungsphasen nachweisen. Die Ausgrabungen förderten Werkzeuge aus Feuerstein wie Kratzer und Mikrolithen sowie Schmuckteile aus Knochen zu Tage. Letztere wurden mittels der C-14-Methode auf ca. 6785 v.Chr. datiert. Bei En Chavannes fanden sich 1964 zwei frühma. Gräber. Im MA gehörte O. zur Lehnsherrschaft Belmont-sur-Yverdon. 1227 schenkte Rudolf III. von Greyerz das Dorf dem Domkapitel von Lausanne, um seine Lossprechung von der Exkommunikation zu erlangen. In der Folge wurde O. mit der Kastlanei Essertines vereint. 1536-1798 stand O. unter Berner Herrschaft und gehörte zur Landvogtei Yverdon, 1798-2006 zum Bez. Moudon. Die Kapelle Saint-Etienne mit einer Glocke aus dem 18. Jh. war eine Filiale der Kirche Saint-Martin und der Kirchgem. Thierrens unterstellt. Sie erhielt ihr heutiges Aussehen 1903 und wurde 1976 restauriert. Im 1757 erstellten Gemeindehaus hängt eine Glocke von 1768. Die 1889 gebaute Eisenbahnlinie Echallens-Bercher, deren Endstation in der Nähe von O. liegt, eröffnete dem Dorf durch den Anschluss nach Lausanne neue Perspektiven. 2000 zählte O. acht Bauernhöfe, auf denen Ackerbau und Viehzucht betrieben wurde. 1947-2004 bestand eine Milchgenossenschaft. Die 1958 eröffnete Mühle Aliments Kliba SA, in der Futtermittelproduktion tätig, wurde 2002 von der Klingentalmühle AG übernommen. 2000 pendelten drei Viertel der Erwerbstätigen nach Lausanne und Yverdon-les-Bains. 2005 stellte der 1. Sektor die Hälfte der Arbeitsplätze in der Gemeinde.


Literatur
SPM 1, 256
– R. Khedhaier, Contribution à l'étude fonctionelle des industries lithiques sauveterriennes, 2003, 198-258
– L. Schneider, Patrimoine au fil de l'eau, 2007

Autorin/Autor: Philippe Heubi / ANS