Unteroffiziere

Bis zu Beginn des 17. Jh. bestand keine militär. Rangordnung im heutigen Sinn. Erst mit der Entstehung von klar definierten Formen der Kampforganisation (Linienformationen und Treffenaufstellung) bildeten sich Offiziers- und Unteroffiziersfunktionen aus. Da die Kampfweise und der Unterhalt von Streitkräften nun reglementiert waren, erforderten die Militärische Ausbildung (Drill) und der Einsatz Führungspersonal, das die stark formalisierte Kampfweise anleitete. Bis ins 18. Jh. blieb die Trennlinie zwischen subalternen Offizieren und U.n fliessend, erhielt jedoch dann durch die unterschiedl. Ernennungsweise eine klare Abgrenzung: Offiziere empfangen ihre Ernennung (Kommission) aus der Hand des Souveräns bzw. der Regierung (commissioned officers), U. aus der Hand des vorgesetzten Truppenkommandanten (non commissioned officers).

Unteroffiziersfunktionen entwickelten sich sowohl in den Solddienstregimentern, als auch in den Landesdefensions- und Milizorganisationen der alten Eidgenossenschaft (Militärwesen). In den Kampfformationen gehörten die U. mit den Subalternoffizieren zum sog. Kader der in Reih und Glied stehenden Soldaten (Fähnrich, Führer links und rechts). Sie waren für die Beachtung der Formationsbewegungen und die disziplinierte Abgabe des Salvenfeuers verantwortlich.

Vom frühen 19. Jh. an wurden in den kant. und eidg. Truppenformationen reglementarisch Unteroffizierschargen festgelegt (Armee). Nach der Gründung des Bundesstaats 1848 und der Militärorganisation von 1874 setzte sich die Benennung Höhere U. für die Grade bzw. Funktionen Fourier, Feldweibel und Adjutant-Unteroffizier durch. Feldweibel und Fourier kümmerten sich um die Versorgung und den Truppenhaushalt, während die Adjutant-U. ursprünglich dem Aidemajor zugeteilt waren und sich dem Drill und der Kampfaufstellung annahmen. Korporale und Wachtmeister besorgten den Inneren Dienst und die Überwachung der Soldaten. Die Ausbildung der U. erfolgte lange Zeit durch die prakt. Arbeit im Truppendienst, bis in der 2. Hälfte des 19. Jh. zuerst bei der Artillerie und Kavallerie, 1884 auch bei der Infanterie Unteroffiziersschulen eingeführt wurden. 1875 folgten Fourier- und 1952 Feldweibelschulen. Mit der Einführung von Unteroffiziersschulen bei der Infanterie erhob sich ein Streit darüber, ob zukünftige Offiziere zuerst als U. Dienst leisten sollten. Die auf die Autorität der Offiziere bedachte Richtung um Ulrich Wille lehnte dies ab, weil sie wegen der Nähe zu den Soldaten einen Distanzabbau und damit einen Autoritätsverlust befürchtete. Die republikan. Richtung um Hugo Hungerbühler bejahte einen solchen Schritt, da sie ihn für eine Staatsbürgerarmee für unerlässlich hielt. Nach dem 1. Weltkrieg setzte sich das sog. Abverdienen durch, d.h. die Aspiranten absolvierten eine Unteroffiziersschule und leisteten dann als Korporale Dienst in einer Rekrutenschule. U., die für die Weiterbildung vorgeschlagen wurden, traten in die Offiziers-, Fourier- oder Feldweibelschule ein und leisteten dann als Leutnant oder Höherer Unteroffizier wiederum Dienst in einer Rekrutenschule. 2003 wurde das Abverdienen im Rahmen der Armee XXI grösstenteils abgeschafft und durch den sog. Praktischen Dienst ersetzt.

1864 organisierten sich die U. im Schweiz. Unteroffiziersverband, der v.a. die ausserdienstl. Ausbildung förderte und ab 1926 die Zeitschrift "Der Schweizer Soldat" herausgab. Aus den ehem. Drillmeistern entstand das Korps der Instruktionsunteroffiziere, die primär für die techn. Ausbildung der Truppen zuständig sind und seit 1975 an der Berufsunteroffiziersschule der Armee in Herisau ausgebildet werden. Im Zug der Angleichung an die Nato wurden auf 2004 die Unteroffiziersgrade angepasst: Neu existieren zusätzlich die Grade Oberwachtmeister, Hauptfeldweibel, Stabsadjutant (bereits seit 1996), Hauptadjutant und Chefadjutant.


Archive
– BBB, Gesellschaftsarchiv des Schweiz. Unteroffiziersverband 1864-2001
Literatur
75 Jahre Schweiz. Unteroffiziersverband 1864-1939, 1939
Verz. der Quellenbestände zur schweiz. Militärgesch., 1848-2000, Bd. 3, hg. von R. Jaun, S. Zala, 2006, 182

Autorin/Autor: Rudolf Jaun