Mechanisierte und Leichte Truppen

Die 1962 geschaffene Truppengattung der M. löste jene der Leichten Truppen (ab 1937) ab, der die Kavallerie, Radfahrer, Motorradfahrer (1937-52), motorisierten Truppen, Transporttruppen, Motordragoner und einige Panzerbesatzungen angehört hatten, d.h. alle mobilen Truppen ausser der sich zu Fuss verschiebenden Infanterie. Bis zu den jüngsten Reformen der Armee umfassten die Mechanisierten Truppen die Einheiten der Panzerjäger, Panzertruppen, Panzergrenadiere, Minenwerferpanzer, Panzerhaubitzen sowie die zugehörigen Versorgungs-, Reparatur-, Transport- und Übermittlungseinheiten. Die Armee XXI verwendet seit 2004 den Ausdruck Panzertruppen.

Zwischen 1918 und 1939 erwarb die Schweiz zwei franz. Panzer Renault FT-17 (1921), sechs brit. Vickers (1934) und 24 tschech. Praga (1938). Die Truppenorganisation von 1938 fasste die mobilen Einheiten der Armee in drei Leichten Brigaden zusammen. Da die Schweiz nicht über genügend Panzer verfügte, um das Mittelland im Fall eines Blitzkriegs zu verteidigen - die Feldzüge gegen Polen und Frankreich hatten die Bedeutung der Panzer unterstrichen -, ordnete General Henri Guisan im Juni 1940 das Réduit im Alpengebiet an, wobei er den Leichten Truppen die Aufgabe zuwies, den Feind im Mittelland aufzuhalten.

Nach dem Krieg mechanisierte die Schweiz ihre Armee. Mit dem Kauf von 158 dt.-tschech. Panzerjägern 1946 verfügte diese über drei Kompanien mit zehn G-13 (bis 1973 in Betrieb) in jedem der drei Feldarmeekorps, eine Kompagnie in jeder Leichten Brigade. Im Apr. 1951 stimmten die eidg. Räte der Anschaffung von 550 Kampfpanzern zu. Als der Bundesrat zwischen einem sowjet. und einem westl. Modell schwankte, blockierten die Parlamentarier den Kredit. Im Oktober desselben Jahres genehmigten sie die Anschaffung von 200 franz. Leichtpanzern AMX-13 als Übergangslösung bis zur Lieferung der 50 t schweren brit. Centurions (Panzer 55 und 57). Ab 1962 ermöglichte es der Bestand an verfügbaren Panzern den Centurion-Regimentern und -Batallionen der drei Mechanisierten Divisionen (grosse Verbände versch. Waffengattungen), Offensivaktionen im Mittelland durchzuführen. Die ab 1965 eingesetzten amerikan. M-113-Panzer waren für die Grenadiere, Minenwerferpanzer, Sappeure, Übermittler und Generalstäbe der Mechanisierten Truppen bestimmt. 1967 zählte man 220 Infanteriebatallione und 24 Panzerbatallione. Die Mechanisierten Divisionen erhielten die Panzerhaubitze M-109. Als Ersatz für den Centurion bauten die Eidg. Konstruktionswerkstätten in Thun die schweiz. Panzer 61 und 68 (Rüstung), die ihrerseits 1987 vom dt. Panzer Leopard-2 abgelöst wurden.

Die mit Pneufahrzeugen oder Fahrrädern ausgerüsteten Leichten Truppen sollten wie die Infanterie kämpfen, sich aber mit ihren Fahrzeugen verschieben, um Fallschirmjäger abzuwehren, wichtige Gebietsabschnitte bis zur Ankunft der Infanterie zu halten oder Aufklärungen durchzuführen. Während die Kavallerie bereits 1972 abgeschafft wurde, existierte noch bis 2003 in jedem der drei Feldarmeekorps ein Radfahrerregiment.

Die Armee 95 sah fünf Panzerbrigaden vor, die Armee XXI deren zwei, nämlich die je 10'000 Mann starken Brigaden 1 und 11. Zu Beginn der 1990er Jahre zählte die Schweiz rund 900 Kampfpanzer, 1'500 Panzerjäger und 500 Panzerhaubitzen, 2007 230 Leopard-2-Panzer, 180 Panzerjäger des schwedischen Typs CV 9030 und 220 Panzerhaubitzen (die Panzer M-113 wurden ausgemustert). Ab 1993 verfügte die bis zu diesem Zeitpunkt nicht motorisierte Infanterie über 250 mit Rädern versehene Panzerjäger des Typs Piranha, die den Soldaten Schutz boten, rasche Verschiebungen erlaubten und in einem gewissen Ausmass den Kampf vom Fahrzeug aus ermöglichten.

Grundsätzlich wird Kriegsmaterial möglichst lange benutzt. Wegen der Notwendigkeit einer zeitgemässen Bewaffnung und der jüngsten Umstrukturierungen wurde ein Teil der Panzer verschrottet. Ein Verkauf an andere Länder war aus polit. Gründen nicht zulässig.


Literatur
– D. Borel, L'arme des troupes mécanisées et légères depuis 1874, 1981
– A. Tschumy, H. de Weck, «La défense combinée suisse face à une offensive du Pacte de Varsovie (1960-90)», in Revue internationale d'histoire militaire 78, 2000, 217-237

Autorin/Autor: Hervé de Weck / EG