Landwehr

In der Schweiz gebrauchter Ausdruck für eine Altersklasse der Armee. 1815-48 bestand die eidg. Armee aus kant. Kontingenten des Auszugs und der Reserve (Militärreglement von 1817). Die Kantone stellten ferner Landwehreinheiten, die ihnen unterstanden, vom Bund aber bei drohender Gefahr eingesetzt werden konnten. 1853 gehörten die 22-30-Jährigen zum Auszug, die 31-38-Jährigen zur Reserve und die bis 44-Jährigen zur L. Erst ab 1884 gab es in der L. Wiederholungskurse. 1874 wurde die allg. Wehrpflicht eingeführt und sämtl. Verbände der Schweiz in die eidg. Armee integriert. Der Landsturm wurde 1886 wieder neu geschaffen.

Im Gesetz von 1897 unterschied man den Auszug, der das Gros der Armee ausmachte, die Reserve sowie das erste (33-39-Jährige) und das zweite Aufgebot der L. (40-44-Jährige), welche im rückwärtigen Dienst eingesetzt wurden. Die Landwehrbataillone konnten in Regimente und Brigaden unterteilt werden. Allerdings hätte man ab 1892 nur die 33 Bataillone des ersten Aufgebots im Fall einer Mobilmachung in die Armeekorps integriert. Ab 1907 dienten die 33-40-Jährigen in der L. Ein Teil der sechs Infanteriebrigaden der L. wurde ab Aug. 1914 an den Grenzen eingesetzt.

Im Dez. 1937 wurden die grossen Infanterieverbände der L. angesichts der internat. Lage aufgelöst und an deren Stelle stationäre Grenzbrigaden eingesetzt (acht im Sektor Bodensee-Basel-Genfersee). Sie bestanden aus Wehrmännern des Auszugs, der L. und des Landsturms und hatten ihren Sektor zu verteidigen und die Mobilmachung der Feldarmee zu schützen. Das zweite Aufgebot der L. und der Landsturm bildeten die Kompanien der Infanterie- und der Transportverbände. Der Rest kümmerte sich zusammen mit dem Landsturm um den Territorialdienst.

Nach 1951 gehörten nur noch Wehrmänner im Alter von 37 bis 48 Jahren den Grenzbrigaden an (nach 1960 33-42-Jährige). Die Armee 61 enthielt zusätzlich Fliegerabwehrverbände der L. und in gewissen Truppen auch gemischte Verbände. Mit der Armee 95 wurde das Altersklassensystem abgeschafft.


Literatur
– F. Feyler, La Suisse sous les armes, 1914, 32 f.
– D. Borel «Organisation des troupes: 1874-1971», in RMS, 1972, Nr. 6, 285-291

Autorin/Autor: Hervé de Weck / BE