21/08/2003 | Rückmeldung | PDF | drucken | 

Burgdorf (Herrschaft, Amtsbezirk)

Herrschaftszentrum 12. Jh.-1384, bern. Schultheissenamt bis 1798, 1798-1803 helvet. Distrikt, ab 1803 Oberamt, seit 1831 bern. Amtsbez. Dieser erstreckt sich auf das untere Emmental. Der Raum gehörte zum burgund. Königshof Kirchberg und kam nach 1080 an die Zähringer. Diese oder ihre Vorgänger bauten die Burg B., deren älteste Teile mind. ins 12. Jh. datieren, zur Absicherung der südöstl. Mittelland-Transversale vom Genfersee über Bern zum Rhein. Hinweise auf die Burg sind evtl. 1080 castellum Bertoldi ducis, die Nennung Oberburgs 1139, die eine "untere Burg" voraussetzt, sowie 1210 in castello Burgdorf. Aufgaben der Burg - Sicherung von Strasse, Emmenbrücke mit Zollstelle und Flossverkehr - gingen später an die Stadt B. über. Die Burganlage (seit der Mitte des 16. Jh. als Schloss bezeichnet) umfasste den Alten Markt (Burgstädtchen); zwei Burgkapellen (Patrone Johannes der Täufer bzw. Margaretha) wurden nach der Reformation profaniert. Nach dem Tod Berchtolds V. von Zähringen 1218 war die Burg Witwensitz; die Gf. von Kyburg annektierten sie trotz kaiserl. Richterspruchs (1235) und machten sie mit Thun zum Zentrum ihrer Herrschaft im Aareraum. Nach dem Burgdorferkrieg (1383-84) musste das verarmte Grafenhaus Neu-Kyburg 1384 B. und Thun an Bern verkaufen. Als Inhaberin der grossflächigen kyburg. Landgrafschaft Burgund mit Landgerichten, 1406-08 erworben, errichtete die Stadt Bern im sog. Schultheissenamt zwischen 1471 und 1525 eine neue Landvogtei mit Hoch- und Niedergerichten (ausser in B. und Heimiswil); dazu gehörten Kirchberg, das Gericht Alchenflüh (1471), Wynigen (1502), Heimiswil (1502-19), Hasle und Oberburg (vor 1525). Der von Bern ernannte bernburgerl. Schultheiss (Nachfolger des 1240 erwähnten kyburgischen) war Landvogt und Obmann des städt. Rats. Bei Amtsantritt bestätigte er Rechte und Privilegien der Stadt und nahm deren Huldigungseid entgegen. Wohn- und Amtssitz war das Schloss; es beherbergte Kanzlei, Gefängnis und Kornmagazin (staatl. Kornhäuser in der Unterstadt erst 1731 bzw. 1770). Die Burghut oblag drei Knechten, bei Gefahr (Bauernkrieg 1653) einer Besatzung. Das Schultheissenamt B. galt als lukrative Vogtstelle. Nach seiner Aufhebung entstand 1798 der helvet. Distrikt (inkl. nördl. Gem. des 1803 gebildeten Oberamts Fraubrunnen), 1803 das Oberamt (seit 1831 Amtsbez.) B. als kant. Verwaltungs- und Gerichtsbez., erweitert um die 14 Gem. der altbern. Verwaltungskreise Wangen (9), Zollikofen (4) und Landshut (1). Seit 1997 gehört B. zur Region Emmental-Oberaargau und zum Gerichts- und Grundbuchkreis B.-Fraubrunnen mit Gericht in B. und Grundbuchamt in Fraubrunnen. Das Schloss ist Amtssitz und Sitz des Regierungsstatthalters.


Literatur
Heimatbuch des Amtes B. und der Kirchgem. Utzenstorf und B., 2 Bde., 1930-38
– F. Häusler, Das Emmental im Staate Bern bis 1798, 2 Bde., 1958-68
Kdm BE Land 1, 1985
– A.-M. Dubler, «Die Herrschaften der Stadt B. im Oberaargau», in Jb. des Oberaargaus, 1996, 105-130

Autorin/Autor: Anne-Marie Dubler