10/11/2006 | Rückmeldung | PDF | drucken

Hindelbank

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Polit. Gem. BE, Amtsbez. Burgdorf. Die Gem. umfasst das Strassendorf H. und im Wiler die Frauenstrafanstalt. 1275 Hundelwanc. 1764 328 Einw.; 1850 651; 1880 1'124; 1900 1'006; 1950 1'162; 1990 1'970; 2000 2'000. Einzelfunde im Dorf (eventuell neolithisch), vermutlich röm. Siedlungsspuren in den Lindachfeldern. Die ehem. Weiherburg im Wiler aus der 1. Hälfte des 15. Jh. (keine Reste) wurde ersetzt durch einen Herrenstock, dessen Kern aus der 1. Hälfte des 16. Jh. stammt. Die kleine Niedergerichtsherrschaft H. mit Hof Wiler und Kirchensatz machte im Besitz von Burgerfamilien ab etwa 1347 Erbgänge, Teilungen und Verkäufe mit; 1798 fielen die Herrschaftsrechte dahin. Mit Hettiswil und Kernenried gehörte H. zum kyburg., ab 1406 zum bern. Landgericht Zollikofen, unterstand militärisch dem Freiweibel von H. und der Hochgerichtsbarkeit der Stadt Bern. 1803 wurde die Gem. H. dem Oberamt und schliesslich dem Amtsbez. Burgdorf zugeteilt. Eine Kirche ist in H. 1275 erstmals erwähnt. 1514-18 entstand eine neue Kirche (1666-68 Turm), die 1911 nach einem Brand erneuert wurde; sie weist zwei von Johann August Nahl gestaltete Grabdenkmäler auf. Der Kirchensatz kam 1505 an die Fam. von Scharnachtal und erst 1553 wieder an die Herrschaft. 1810 erwarb ihn der Kt. Bern. Zur Kirchgemeinde H. gehören Bäriswil und Mötschwil.

Das Ackerbauerndorf H. gab seine Zelgen erst im späten 19. Jh. auf, ging aber früh zur Mechanisierung über (1878 überregionale Dampfdresch-Genossenschaft). Aus der Genossenschaft Käserei-Kartoffelbrennerei ging 1888 die Hefefabrik hervor. Grössere Betriebe entstanden mit einer Biskuitfabrik (1920), einem Kiesabbau (1960) und einer Wäscherei. Der Autobahnbau löste Anfang der 1960er Jahre eine Güterzusammenlegung aus. Die gute Verkehrslage an der alten Landstrasse (1755), an der Eisenbahnlinie (Station 1857) und an der Autobahn Bern-Zürich (1965 Anschlüsse Kirchberg und Schönbühl) trug der Gem. steigende Bevölkerungszahlen, starke Bautätigkeit (v.a. im Dorf), nicht aber neue Industrien ein. Dafür stieg der Wegpendleranteil in die Region Bern an. Die Gem. führte früh eine Schule (Schulhaus 1662 erw.); 1903 wurde die Sekundarschule eröffnet. Im Pfarrhaus nahm 1839 das staatl. Lehrerinnen- und Arbeitslehrerinnenseminar seinen Anfang, das 1918 nach Thun verlegt wurde. Das Naturreservat Hurstmoos und Hurstwald ist ein beliebtes Ausflugsziel. 1721-25 liess Schultheiss Hieronymus von Erlach unweit des Altbaus im Wiler die reichste bern. Schlossanlage bauen. H. war im 18. Jh. ein gesellschaftl. Zentrum von internat. Ruf. Robert von Erlach verkaufte 1866 die Schlossdomäne an Private, das Schloss an den Kt. Bern. Dieser richtete dort erst eine Armenanstalt und 1896 die Frauenstrafanstalt ein; das Schloss dient als Verwaltungs- und Repräsentationsbau.


Literatur
Heimatbuch des Amtes Burgdorf und der Kirchgem. Utzenstorf und Bätterkinden, 1930-38
– E. Schraner, 100 Jahre Lehrerinnen- und Arbeitslehrerinnen-Bildung im Kt. Bern 1838-1938, 1938
– M. Schweingruber, H., 1989 (21991)
– R. Hug, Bauinventar der Gem. H., 2004

Autorin/Autor: Anne-Marie Dubler