Mit der eidg. Volksabstimmung von 1938 ist R. neben Deutsch, Französisch und Italienisch zur vierten Landessprache der Schweiz geworden. Im dreisprachigen Kt. Graubünden wurde R. durch die Verfassungen von 1880 und 1892 offizielle Sprache des Kantons. R. bezeichnet in der Schweiz die Sprache der Rätoromanen Graubündens, eine Varietät der rom. Sprachen (d.h. der vom Latein abstammenden Sprachen), die sich deutlich von derjenigen der oberital. Nachbarn (inkl. Italienischbünden) abhebt. In romanist. Handbüchern und in Lexika wird R. oft als Überbegriff für die drei Sprachgruppen Bündnerromanisch, Dolomitenladinisch und Friaulisch verwendet, eine Sichtweise, die innerhalb der Wissenschaft kontrovers diskutiert wird. Die von ital. Forschern v.a. im 1. Weltkrieg vertretene Auffassung, dass das R.e nicht eine eigene rom. Sprache, sondern ein alpinlombard. Dialekt sei, ist nicht primär aus linguist. Sicht unzutreffend, sondern vielmehr deshalb, weil es sich aufgrund seiner Geschichte zu einer eigenständigen Sprache mit jahrhundertealter Schrifttradition und einem entsprechenden Selbstverständnis entwickelt hat. Das R. Graubündens (Bündnerromanisch, umgangssprachlich auch als Romanisch bezeichnet) stellt innerhalb der rom. Sprachfamilie eine konservative Randsprache dar, die viele archaische Elemente bewahrt. Daneben hat auch der seit dem MA bestehende Kontakt mit dem Deutschen die Sprache geprägt.
1 - VerbreitungAutorin/Autor: Ricarda Liver