Société typographique de Neuchâtel

Verlagshaus und Druckerei, ab 1772 auch Buchgrosshandlung. Das Unternehmen wurde 1769 von den vier Neuenburger Bürgern Frédéric Samuel Ostervald, Jean-Elie Bertrand, Samuel Fauche und Jonas-Pierre Berthoud gegründet. Die S. spezialisierte sich auf Raubdrucke sowie auf Neudrucke erfolgreicher Werke, was nur möglich war, weil keine internat. Urheberrechtsgesetzgebung bestand. In Zusammenarbeit mit anderen Gesellschaften (Typographische Gesellschaft Bern, Société typographique de Lausanne) veröffentlichte die S. auch Bücher und erweiterte ihr Angebot durch Tauschgeschäfte. Dank ihrer Geschäftsbeziehungen mit gegen hundert europ. Buchhändlern verfügte sie über ein grosses Vertriebsnetz. Verbotene Bücher liess sie von Schmugglern nach Frankreich schaffen. Ihre Blütezeit erlebte die S. 1778-79 mit dem Neudruck von Diderots "Encyclopédie" im Quartformat, für die sie mit anderen Druckereien aus Belgien, Frankreich und der Schweiz zusammenarbeitete. Sie gab 1771-83 einen Neudruck der "Description des arts et métiers" im Quartformat heraus und verlegte die Zeitschrift "Nouveau journal helvétique" ("Mercure suisse"). 1778-79 verfügte die S. über ein Dutzend Druckerpressen und zählte etwa 40 Arbeitskräfte. Als sie 1789 ihre Tätigkeiten einstellte, hatte sie über 220 Werke in 500 Bänden herausgegeben. Das fast vollständig erhaltene Archiv der S. befindet sich in Neuenburg.


Archive
– BPUN, Nachlass
Literatur
– R. Darnton, L'aventure de l'Encyclopédie, 1982
La S. (1769-1789), hg. von M. Schlup, 2002
Le rayonnement d'une maison d'édition dans l'Europe des Lumières: la S., 1769-1789, hg. von R. Darnton, M. Schlup, 2005
– F. Inderwildi, Acteurs et réseaux commerciaux dans la librairie d'Ancien Régime: la S., 1769-1789
Diss. Neuenburg, 2010

Autorin/Autor: Michel Schlup / CBA