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Fontana, Baldassare

geboren 26.6.1661 Chiasso, gestorben 6.10.1733 Chiasso, kath., von Novazzano. Sohn des Pietro Martire und der Anna Maria Girola. ∞ 1689 Maria Elisabetta Gilardoni. Nach einer Lehre bei einheim. Künstlern begab sich F. 1680 nach Rom, wo er wahrscheinlich in den Werkstätten des Architekten Carlo ( -> 4), eines Cousins seines Vaters, und des Bildhauers Antonio Raggi verkehrte. Als Stuckateur und Architekt war er auf die Ausstattung von Innenräumen spezialisiert und stand einer berühmten Werkstatt vor, die in Mähren, Polen und im Tessin tätig war. Im Tessin verbrachte er jeweils die Wintermonate. Die ersten Zeugnisse seiner Tätigkeit finden sich in Mähren: 1688 schmückte er drei Säle des Bischofspalais von Kroměříž aus und 1692 arbeitete er in Hradisch und Vyškov. Zwischen 1693 und 1705 wirkte er in Polen, u.a. in Krakau und Nowy Sącz. Von ihm stammt die reiche Ausschmückung der St.-Annen-Kirche in Krakau (1695-1704), die als sein Meisterwerk gilt. 1718-31 war er am Sanktuarium auf dem Hl. Berg bei Olmütz (heute Olomouc) tätig, ca. 1723-26 in Hradisch und im Zisterzienserkloster von Velehrad in Mähren. F. zeichnete sich als sehr fähiger Bildhauer aus und gilt als der bedeutendste Stuckateur der oberital. Seenregion an der Wende vom 17. zum 18. Jh. Als Anhänger Gian Lorenzo Berninis verbreitete er dessen Ideen nördlich der Alpen und machte sich dadurch zum Vorkämpfer eines neuen Stils in Mitteleuropa.


Literatur
– M. Karpowicz, Baldasar F. 1661-1733, 1990
DBI 48, 619-623

Autorin/Autor: Mariusz Karpowicz / RG