09/02/2011 | Rückmeldung | PDF | drucken

Saint-Prex

Polit. Gem. VD, Bez. Morges. Am Genfersee gelegen, umfasst die Gem. neben S. die Weiler Les Iles, Beaufort, Senaugin und Fraidaigue. Die abgegangenen Dörfer Dracy und Marcy befanden sich auf dem heutigen Gemeindegebiet. 885 Sanctus Prothasius. 1764 295 Einw.; 1800 162; 1850 528; 1900 882; 1920 1'364; 1950 1'507; 2000 4'210. In Fraidaigue wurden Reste einer neolith. Ufersiedlung gefunden, bei Moraine ein Dorf sowie ein Gräberfeld aus der Spätbronzezeit und bei Fribourg ebenfalls ein spätbronzezeitl. Gräberfeld. Aus der Römerzeit stammen Spuren mehrerer villae und eine Bestattungsanlage unter der Kirche. Bei Vieux Moulin wurde ein burgund. oder germ. Friedhof aus dem 5.-6. Jh. entdeckt. Der um 652 belegte Lausanner Bf. Prothasius soll Mitte des 7. Jh. in S. bestattet worden sein. 885 wurden die Kirche mit dem Patronatsrecht sowie die Güter von Dracy der Kathedrale von Lausanne übergeben. S. bildete einen Teil des Territoriums, das im 10. Jh. durch weitere Schenkungen vergrössert wurde und dem Domkapitel Lausanne unterstellt war. 1223 erhielt S. das Marktrecht. 1234 liess das Domkapitel das Dorf aus strateg. und wirtschaftl. Gründen an das Seeufer verlegen und befestigen (heutiges Städtchen). Ein Schloss und ein Hafen wurden gebaut. Die ab 1357 belegte Stadtbürgerschaft stellte sich 1358 unter den Schutz des Gf. von Savoyen. Sie betrieb eine Mühle sowie eine Hanfreibe und erhob von den Bürgern das Ungeld sowie Gebühren für das Recht auf die Allmendweide. Ein ab 1493 belegter siebenköpfiger Rat verwaltete die Gemeinde. 1536 wurde sie der Vogtei Morges und der Kirchgem. Etoy, deren Filiale sie war, zugeteilt. 1798 kam S. zum Bez. Morges. Die Landwirtschaft wurde im 18. und 19. Jh. unter dem Einfluss von Grossgrundbesitzern aus Morges und Genf, die sich ab dem 16. Jh. in S. niedergelassen hatten, gefördert und modernisiert (Pasche, Forel). Mit dem Bau einer neuen Strasse von Lausanne nach Genf 1762-89 verlor der Seeweg seine Bedeutung für den Transport. 1859 erhielt S. einen Anschluss ans Eisenbahnnetz. Das Schicksal des Städtchens nahm eine Wende, als 1911 Henri Cornaz eine Glashütte eröffnete. S. wuchs mit dem Ausbau der Fabrik, die 1980 250 Angestellte beschäftigte. Die ersten Glasarbeiter waren kath. Freiburger aus Semsales. Ihre Zahl führte zur Errichtung einer eigenen, Saint-Marc geweihten Kapelle, die seit 1924 als Pfarrkirche dient. Ab 1966 war die Glashütte Teil der Vetropack. Ende des 20. Jh. wandelte sich S. zu einer Wohngemeinde.


Literatur
– B. Dufour et al., S.: 1284-1984, 1984
– P. Eggenberger et al., L'église de S., 1993

Autorin/Autor: Catherine Santschi / ANS