Abucinus

Tiberius Iulius Tiberii filius A., Vertreter der Oberschicht der Helvetier in der röm. Kaiserzeit (2. Hälfte 1. Jh. n.Chr.), ist belegt durch drei fragmentar. erhaltene Inschriften aus Avenches. Die Fam. wurde früh romanisiert; spätestens der Vater von Tiberius Iulius A. erhielt das röm. Bürgerrecht von Ks. Tiberius (14-37). Das Cognomen A. deutet auf einheim. Herkunft. Bezeugte Ämter von Tiberius Iulius A. sind: Duumvir, Vorsteher für das Bauwesen (praefectus operum publicorum, dieser Titel nur in der Kolonie Aventicum nachgewiesen), Kaiserpriester (flamen Augusti), sacerdos perpetuus (noch nicht erklärt). Er war der erste öffentl. Schutzherr (patronus publicus), wirkte als Wohltäter und wurde deswegen von den coloni Aventicenses geehrt. Ein Sohn war [Tiberius Iulius] Sanctus, ein Enkel und Erbe Tiberius Sanctius A. Die Fam. pflegte somit den im 2. und 3. Jh. in Gallien und den Rheingebieten verbreiteten Namenswechsel von Sanctus zu Sanctius.


Quellen
CIL 13, 5102-5104
– T. Pekáry, «Inschr. von Avenches», in BPA 19, 1967, 37-56
Literatur
– P. Frei, «Zur Gründung und zur Rechtsstellung der röm. Kolonie Aventicum», in BPA 20, 1969, 5-22
– A. Bielman, «A propos de Quintus Cluvius Macer, duumvir d'Avenches», in BPA 34, 1992, 23
– R. Frei-Stolba, «Die Helvetier im Röm. Reich», in La politique édilitaire dans les provinces de l'Empire romain, hg. von R. Frei-Stolba, H.E. Herzig, 1995, 167-186

Autorin/Autor: Regula Frei-Stolba