Stürme

S. sind meteorolog. Ereignisse mit hohen Windgeschwindigkeiten, häufig begleitet von Niederschlägen. Neben Föhn- und Hagelstürmen (Föhn, Hagel) kennt die Schweiz v.a. verheerende Winterstürme, während Sommerstürme deutlich weniger Schaden anrichten. Ein Wintersturm ist jeweils an ein atlant. Tiefdruckgebiet gebunden, dessen Sekundärtief eine südl. Bahn durch Nordeuropa einschlägt und nach Osten zieht. Da die Schweiz meistens am südl. Rand der Sturmfelder liegt, sind starke Winterstürme mit grossen Schäden und Todesopfern eher selten und treten im langjährigen Mittel etwa alle 18 Jahre auf. Im Mittelland erreichen sie Windgeschwindigkeiten bis zu 90 km/h mit Böenspitzen bis zu 180 km/h. Seit Anfang des 20. Jh. hat die Anzahl Starkwindtage (Beaufort 7-9) abgenommen. Mit Hilfe von hist. Witterungsbeobachtungen lassen sich nach 1500 für die Schweiz 28 starke Winterstürme nachweisen, von denen sechs als extrem eingestuft werden (1645, 1739, 1879, 1967, 1990 Vivian, 1999 Lothar). Im Sturm Lothar starben 14 Menschen und der Gesamtschaden belief sich auf etwa 1,78 Mrd. Fr. Auch die Schäden der S. von 1645 und 1739 erreichten die Grössenordnung jener von 1990 und 1999; Letztere konnten aber u.a. dank der Abfederung durch Versicherungen viel rascher bewältigt werden. Oft verursachen Winterstürme grosse Sturmholzflächen (1999 12,5 Mio. m3) und leiten damit einerseits eine natürl. Verjüngung der Wälder ein, ziehen aber andererseits bei zu viel Sturmholz tiefere Holzpreise und höhere Erntekosten nach sich.


Literatur
– H.-H. Schiesser et al., «Winter storms in Switzerland north of the alps 1864/1865-1993/1994», in Theoretical and Applied Climatology 58, 1997, 1-19
– C. Pfister, Wetternachhersage, 1999, v.a. 246-255
Lothar: der Orkan 1999, 2001
– D. Krämer, «Die Winterstürme "Marcellus" und "Prisca" am 16. und 18. Jan. 1739 und ihre Auswirkungen in der Zentralschweiz», in Gfr. 162, 2009, 143-176
– C. Pfister et al., «The meteorological framework and the cultural memory of three severe winter-storms in early eighteenth-century Europe», in Climatic Change 101, 2010, 281-310

Autorin/Autor: Hans-Heinrich Schiesser