16/12/2011 | Rückmeldung | PDF | drucken

Puidoux

Polit. Gem. VD, Bez. Lavaux-Oron, die sich vom Genfersee bis zum Jorat und an den Oberlauf der Broye erstreckt. 1810 löste sich P. von der Gem. Saint-Saphorin und wurde selbstständig. Im unteren Teil der Gem. liegen das Dorf P., die Weiler Publoz und Cremières sowie die Weinbaugebiete Treytorrens und Dézaley. Der obere Gemeindeteil auf den Ausläufern des Mont-Pèlerin umfasst Streusiedlungen, den Lac de Bret und den Mont-Chesau. 1134 Puidos. 1764 612 Einw.; 1798 848; 1850 1'186; 1900 1'355; 1950 1'428; 2000 2'339. Auf dem Gemeindegebiet wurden Reste mehrerer röm. Bauten und im Gebiet Sur Pierraz sowie in der Kapelle zahlreiche Gräber aus dem Früh- und HochMA entdeckt. Im 12. Jh. zählte P. zum Besitz des Bf. von Lausanne, der ein Meieramt einrichtete und ein Schloss bauen liess (Überreste noch 1770 sichtbar). Das Meieramt P. wurde später in dasjenige von Saint-Saphorin integriert. Um 1273 gehörte auch der Turm von Marsens dem Bf. von Lausanne. Kurz vor 1140 gründeten die Prämonstratenser der Abtei Lac de Joux in Rueyres (Gem. Chardonne) ein Frauenpriorat, das zwischen 1193 und 1210 in ein Männerkloster umgewandelt und 1259 zu einer Grangie herabgestuft wurde. Dieses Männerpriorat lag nicht, wie irrtümlich angenommen, am Ufer des Lac de Bret in P. Im Ancien Régime bildete das Dorf ein Drittel der Grosspfarrei (Dörfergemeinschaft) Saint-Saphorin und stellte sechs Mitglieder im Rat der Achtzehn und zwölf Mitglieder im Rat der Sechsunddreissig. 1536-1798 gehörte P. zur Vogtei Lausanne, 1798-2006 zum Bez. Lavaux. Bis 1734 war P. nach Saint-Saphorin kirchgenössig, dann wurde es der Kirchgemeinde Chexbres zugeteilt. Die Kapelle Saint-Nicolas aus dem 10.-11. Jh. wurde 1394 umgebaut, 1746 vergrössert und 1976 restauriert. Die 1953 eingeweihte Stiftung Crêt-Bérard - Maison de l'Eglise et du Pays ist ein Begegnungszentrum und Ort der Besinnung der ref. Kirche des Kt. Waadt. Seit 1871 versorgt der Lac de Bret Lausanne mit Elektrizität, seit 1876 mit Trinkwasser. 1862 wurde der Bahnhof P.-Chexbres an der Bahnlinie Lausanne-Bern eröffnet. Bis in die 1970er Jahre waren Weinbau, Forst- und Landwirtschaft (Getreide, Viehzucht, Milchwirtschaft) die Haupterwerbszweige. 2005 stellte der 1. Sektor noch 15% der Arbeitsplätze in der Gemeinde. Nach der Eröffnung der Autobahn A9 1974 entwickelte sich in der Ebene von Verney eine Gewerbe- und Industriezone. 2000 pendelten zwei Drittel der Erwerbstätigen nach Vevey, Lausanne, Chexbres und Montreux.


Literatur
– P. Bisegger, C. Jaccottet, La chapelle de P., 1977
– E. Muller, P. au cœur de Lavaux, 1982
– M. Grin, Pierres vivantes, 1989
HS IV/3, 495-500

Autorin/Autor: Redaktion / ANS