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Mazzini, Giuseppe

geboren 22.6.1805 Genua, gestorben 10.3.1872 Pisa. Sohn des Giacomo, Arztes und Universitätsprof., und der Maria Drago. M. studierte in Genua Jurisprudenz und promovierte 1827. Nach seiner Verhaftung als Mitglied des Geheimbunds Carboneria ging er schon 1831 ins Exil und verbrachte als führende Gestalt des Risorgimento den grössten Teil seines Lebens im Ausland, davon insgesamt rund ein Jahrzehnt in der Schweiz, u.a. 1835-36 in Grenchen und nach 1848 immer wieder im Tessin, deren liberal-radikale Führungsschicht (u.a. Carlo Battaglini, Stefano Franscini, Giacomo Luvini-Perseghini) er schon vorher stark beeinflusst hatte. 1854 hielt er sich zwei Monate in Küsnacht (ZH) auf, von wo er im September mit einem offenen Brief an den Bundesrat gegen die Behandlung der polit. Flüchtlinge protestierte und sich in eine Polemik mit James Fazy verstrickte. Mit seinen von der Schweiz aus geplanten revolutionären Unternehmen wie dem gescheiterten Savoyerzug im Febr. 1834, den nordital. Expeditionen wie jener ins Val d'Intelvi von Ende Okt. 1848 und v.a. dem vom österr. Generalfeldmarschall Radetzky blutig niedergeschlagenen Umsturzversuch vom Febr. 1853 in Mailand verwickelte er die Schweiz immer wieder in diplomat. Schwierigkeiten mit den konservativen Mächten: so etwa nach dem Savoyerzug, als M. vom Kt. Solothurn und der Gem. Grenchen geschützt wurde, nach 1848, als die österr. Wirtschaftsblockade zu verheerenden wirtschaftl. Konsequenzen für den Kt. Tessin führte, und noch im Frühjahr 1869, als es nach einer republikan. Verschwörung in Mailand zu diplomat. Verstimmungen mit dem neuen Königreich Italien und zur letzten Ausweisung M.s aus Lugano kam. Andererseits übte M. mit den von ihm nach dem Vorbild der Bewegung Junges Italien (1831) gegr. Vereinigungen - der 1834 entstandenen Bewegung Junges Europa und der Bewegung Junge Schweiz von 1835 - starken Einfluss auf Revolutionäre in Europa und in der Schweiz aus. Publizistisch wirkte er mit seiner 1835-36 in Biel gedruckten Zeitung "La Jeune Suisse" oder mit der 1849-51 in Lausanne bei Stanislao Bonamici erschienenen "L'Italia del popolo". An der Schweiz schätzte M. die freiheitl.-republikan. Ordnung (so begrüsste er von London aus im Dez. 1847 den Sieg der Liberal-Radikalen über den Sonderbund), lehnte aber sowohl den Föderalismus wie die Neutralität ab.


Werke
Scritti editi ed inediti, 1906-43
Literatur
– A. Cattani, Die Schweiz im polit. Denken M.s, 1951
– L. Monnier, «M. et la Suisse», in M. e il Mazzinianesimo, 1974, 85-107
– G. Martinola, Gli esuli italiani nel Ticino, 2 Bde., 1980-94
– C. Moos, «Cattaneo contro M. 1850-1851», in Il Risorgimento, 1993, Nr. 1, 97-115
– G. Bettone, M. e la Svizzera, 1995, (mit Verz. der in der Schweiz publizierten Artikel)
DBI (in Vorb.)

Autorin/Autor: Carlo Moos