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Cully

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Polit. Gem. VD, seit 1798 Bez. Lavaux. Die Gem. umfasst das gleichnamige Städtchen am Ufer des Genfersees, den Flecken Chenaux in den Rebbergen und einige Bauernhöfe auf den Anhöhen (über 700 m). 967 Cusliacum. 1568 62 Haushalte; 1764 483 Einw.; 1798 615; 1850 880; 1900 1'101; 1950 1'296; 2000 1'798.

In C. sind zwei neolith. Seeufersiedlungen (eine bei Moratel), röm. Zeugnisse (Münzen, Statuen, Grundmauern), die v.a. auf die durch C. führende Strasse zum Gr. St. Bernhard zurückzuführen sind, sowie zwei hochma. Friedhöfe nachgewiesen. 967 schenkte der Kg. von Burgund C. der Kathedralkirche von Besançon. Da C. von der Pfarrei Villette abhing, das spätestens 1079 dem Bf. von Lausanne gehörte, waren Kompetenzkonflikte unvermeidlich; ein Abkommen von 1154 nützte wenig. Das Kapitel von Besançon verkaufte 1246 C. dem Bf. von Lausanne. Das lokale Meieramt blieb kurze Zeit unabhängig, geriet dann aber unter die Kontrolle der Gerichtsherren von Lutry. Die Einwohner von C. genossen dieselben Freiheiten wie die von Villette. 1359 erhielten sie das Recht, einmal wöchentlich Markt zu halten, sowie das Befestigungsrecht. Im 14. Jh. wurden die Häuser eng und kreisförmig um die Kirche herum gebaut; im 15. Jh. vergrösserte sich die Ortschaft in Richtung See und erhielt einen rechteckigen Grundriss. Unter Berner Herrschaft (1536-1798) war C. Teil der Vogtei Lausanne. Nachdem 1598 die Fam., welche das Meieramt ausgeübt hatte, ausgestorben war, gründeten die Berner die Kastlanei Villette mit Sitz in C. Obschon die Stadt Freiheiten und auch eigenes Territorium besass, war sie gleichzeitig von Villette abhängig, dessen Hauptort sie war. Ab dem 14. Jh. verwaltete sie ihre kommunalen Besitztümer selbst und erhob Steuern unter der Aufsicht eines Gouverneurs, ab dem 17. Jh. eines Bannerherrn. C. wurde durch die jährlich viermal zusammentretende Bürgerversammlung und durch einen Rat von im 16. Jh. neun, im 18. Jh. dreizehn Mitgliedern verwaltet. Die Stadt C. bildete zwei der acht Viertel von Villette und delegierte dementsprechend ihre Abgeordneten. Spätestens ab 1365 besass C. eine dem hl. Stephan geweihte Kapelle, die nach der Reformation Filialkirche von Villette blieb; ab 1556 stand ihr ein Diakon vor. 1766 wurde C. Kirchgem. und umfasste auch die Dörfer Riex und Epesses, 1837 den Flecken Chenaux und 1845-63 Grandvaux.

Beim Ausbruch der franz. Revolution blieb die Gegend berntreu, was 1791 die Abhaltung eines "aristokrat." Banketts erlaubte. 1798 wurde C. dank seiner zentralen Lage Hauptort des neuen Bez. Lavaux. Die "Confrérie" oder Bürgergemeinde der Stadt besass ein adliges Lehensgut, den Zehnten, Wälder und zahlreiche Rebberge. Als 1824 die Aufteilung Villettes vorgenommen wurde, musste C. Teile seiner Güter an Chenaux und weitere nicht zur "Confrérie" gehörende Teilgemeinden abtreten, was zu Protesten der Einwohner führte und anhaltenden Groll hinterliess. Ende des 20. Jh. hatte C. einen Gemeinderat (Legislative) von 55 Mitgliedern, die aufgrund einer gemeinsamen Liste gewählt worden waren. Neben der Primarschule eröffnete C. in der 2. Hälfte des 19. Jh. für kurze Zeit eine Industrieschule, 1949 eine Sekundarschule und in den 1990er Jahren ein Progymnasium. Das Spital von Lavaux stammt von 1942. C., das im Zentrum der Weingegend Lavaux liegt, widmete sich während Jahrhunderten fast ausschliesslich dem Weinbau; der Hafen spielte bis zur Eröffnung der Zuglinie zum Simplon 1861 eine wichtige Rolle beim Gütertransport. Weil die neuen Strassen die abgelegenen Gebiete des Lavaux den Städten Lausanne und Vevey näher brachten als C., verfügte dieses nach dem 2. Weltkrieg nur noch über ein kleines Einfluss- und Einzugsgebiet. C. besitzt grosse Weinanbauflächen, ein aufstrebendes Industrieviertel und in der Nähe des Hafens eine Tourismus- und Erholungszone.


Literatur
C., 1000 ans d'histoire, 1972
– C. Lehmann-Jomini, La genèse de l'Infirmerie de Lavaux, 1878-1942, Liz. Lausanne, 1978
– A. Friedli, Histoire de la ville de C., 1993

Autorin/Autor: Germain Hausmann / MS