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Chexbres

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Polit. Gem. VD, Bez. Lavaux, das Dorf C., den Weiler Monteiller und Einzelhöfe umfassend. Von der Gem. Puidoux fast vollständig eingeschlossen und ohne direkten Seeanstoss, liegt C. auf einem Plateau oberhalb des Genfersees, zwischen Wiesen, Weiden und Wald im Norden und Rebhängen im Süden. 1139 Chexbres. 1764 521 Einw.; 1798 671; 1850 770; 1900 1'125; 1920 960; 1950 1'343; 1960 1'449; 2000 2'041.

Spuren aus röm. Zeit (Münzen, Mauern, Wegpflästerung). C. unterstand bis 978 der Abtei Saint-Maurice, 978-1079 dem Königreich Burgund und 1080-1536 dem Bf. von Lausanne. Dieser liess sich durch zwei Meier (mayor bzw. métral) im Erbamt, später durch den Kastlan von Saint-Saphorin vertreten. Eine dörfl. Organisation dürfte sich aus der 1362 erstmals erwähnten St.-Theodul-Bruderschaft (der Name erinnert an Besitz des Bf. von Sitten in dieser Region) entwickelt haben. 1384 übertrug der Bf. von Lausanne dörfl. Gemeingut an 38 Dorfgenossen. Unter bern. Herrschaft (1536-1798) war C. ein halbautonomes Drittel der Grosspfarrei (Dörfergemeinschaft) Saint-Saphorin mit einer Dorfversammlung, einem Sechser- und einem Zwölferrat sowie einem Dorfvorsteher. 1803 trennten sich die sechs Gem. der Grosspfarrei, die Gemeingüter wurden 1808-11 aufgeteilt. In der erstmals im 15. Jh. belegten Kapelle Saint-Théodule, einer Filiale von Saint-Saphorin, hielt 1688-1726 ein Diakon den Gottesdienst ab. Die 1726 neu erbaute Kirche erhielt 1730 ein Pfarrhaus und wurde 1734 zur Pfarrkirche für C., Puidoux, Publoz und einen Teil von Cremières (beide Gem. Puidoux) erhoben. 1888 wurde sie durch einen neugot. Bau ersetzt. In der Landwirtschaft herrschte zunächst der Typus des Acker- und Weinbauern vor, der in der Ebene Getreide und an den Hängen Reben kultivierte; um 1900 spalteten sich manche Fam. in Zweige von Ackerbauern und von Weinbauern auf. 1862 wurde die Bahnlinie Lausanne-Bern (Bahnhof Puidoux-C.) eröffnet, 1899 die Bahnlinie C.-Vevey, 1894 die Route de la Corniche von Cully nach C., 1974 die Autobahn. C. entwickelte sich zu einem regionalen Zentrum. Die Nähe zu Lausanne und Vevey hat viele Wegpendler angezogen, was zum Bau neuer Wohnquartiere geführt hat.


Literatur
– P. Leuba, Pasteurs et paroissiens de C. au temps de Leurs Excellences, 1948
– J.C. Biaudet, F. Nicod, C. à l'époque de la Révolution, 1993

Autorin/Autor: Louis-Daniel Perret / AG