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Renens (VD)

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Polit. Gem. VD, Hauptort des Bez. Lausanne-West. R. gehört zur Agglomeration von Lausanne und ist an der Bevölkerungszahl gemessen die viertgrösste Stadt des Kantons. 888-896 in villa Runingis. 1550 11 Feuerstätten; 1764 226 Einw.; 1850 362; 1888 645; 1900 1'279; 1950 5'698; 1960 10'698; 2000 18'406.

Bei Côtes de la Bourdonnette wurden neolith. Gräber und bei Caudrey ein Gräberfeld aus dem FrühMA gefunden. R. war Besitz des Domkapitels von Lausanne, das hier zwischen 1233 und 1303 eine Pfründe errichtete. 1555 tauschte Claude de Praroman mit den Gnädigen Herren von Bern seine ehem. Pfründe Vuarrens gegen jene von R., deren Herrschaftsrechte er erwarb. Das Haus, das er bereits in En Plait besass, wurde zum Schloss. 1750 kaufte Lausanne die Herrschaft. Das Schloss, das 1752 an Jean Pierre Audibert veräussert worden war, kam dann nacheinander an die Geschlechter Doxat, Sandoz, Sauter und Burckhardt. R. war damals ein kleines Dorf, in dem einige Fam. Landsitze besassen. Das aus dem 18. Jh. stammende herrschaftl. Haus Renens-sur-Roche gelangte von den Roëll über die Auberjonois an die Guyot; in dem im frühen 18. Jh. von den Praroman erbauten Haus Les Tilleuls lebte Pierre-Elie Bergier, heute gehört es den SBB. 1798 wurde R. eine polit. Gem., die bis 2006 zum Bez. Lausanne zählte. 1901 erhielt sie einen Gemeinderat als Legislative.

963 ist eine Kapelle Saint-Sauveur bezeugt, eine neue, dem Hl. Jakobus geweihte Kapelle 1303. Da Letztere nach dem Bau der Kirche von Prilly 1765 leerstand, wurde sie abgerissen - nur eine Glocke aus dem 15. Jh. ist erhalten geblieben - und 1840 an ihrer Stelle ein Schulhaus erbaut. Ab 1147 ist ein Pfarrer in R. belegt. Bis zur Reformationszeit gehörte R. zur Kirche von Vidy, später bildete es mit Prilly und Jouxtens-Mézery eine Kirchgemeinde, bis es 1911 selbstständig wurde. Die heutige Kirche von R. wurde 1935 eingeweiht. Änderungen der Bevölkerungsstruktur führten 1916 zur Gründung einer kath. Pfarrei; die Kirche Saint-François wurde 1966 erbaut.

Bis zur Mitte des 19. Jh. lebte das Dorf von der Landwirtschaft. Die einzigen Gewerbebetriebe in R. waren eine Walkerei und eine Schmiede, bis 1832 die gemeindeeigene Ziegelei eröffnet wurde. Der seit 1866 in Privatbesitz befindl. Betrieb, der zur Schmidheiny-Gruppe gehört, übersiedelte 1958 nach Crissier. Stark beeinflusst wurde die Entwicklung der Gem. durch den Anschluss an die Eisenbahn 1855 und insbesondere den 1876 errichteten und 1890-1908 erweiterten Rangierbahnhof (1971 nach Denges verlegt). Die Palette der in R. betriebenen industriellen und kommerziellen Aktivitäten ist vielfältig (Maschinenindustrie, Mikrotechnik, Elektroinstallationen, Elektronik, Möbelherstellung, Druckerei, Buchbinderei und Molkereiprodukte); in R. steht ein Getreidesilo des Verbands der Westschweizer landwirtschaftl. Genossenschaften (1959 von Jean Tschumi erbaut, heute Kulturzentrum). Bis 1998 befand sich in R. auch eine Nebenstelle der Lausanner Direktion des Schweiz. Bankvereins (seither Ausbildungszentrum der UBS) und bis 2001 das Verteilzentrum der Coop Waadt-Walliser Chablais. Einige Unternehmen zogen jedoch wegen Platzmangels von R. weg, so Sapal und Maillefer nach Ecublens, Mélior nach Bussigny und Matisa nach Crissier. Diese Betriebe verkauften ihre Grundstücke für den Bau von Geschäften und Mietobjekten. 1979 wurde in der ehem. Gasfabrik von 1911 ein Theater eröffnet. Das Bevölkerungswachstum zu Beginn des 20. Jh. war durch den Ausbau des Bahnhofs und die Ansiedlung von Unternehmen in R. bedingt. Es führte in den 1920er Jahren und 1946 zu Fusionsprojekten mit der Gem. Lausanne sowie später mit den Gem. Chavannes-près-R., Crissier und Ecublens. Diese Projekte scheiterten zwar, aber aus ihnen heraus entstanden versch. Gemeindeverbände (industrielle Betriebe, interkommunale Sekundarschule La Planta, Zivilschutz, Kläranlage). Die Ortschaft ist seit 1903 durch eine Tramlinie und seit 1964 durch eine Trolleybuslinie mit Lausanne verbunden. Seit 1995 beherbergt R. das Depot der Transports publics de la région lausannoise. Seit 1991 ist es die Endstation einer Metro. R. nimmt am Schéma directeur de l'Ouest lausannois teil, zu dem sich 2004 neun Gem. zusammengeschlossen haben und das vorsieht, in R. bis 2020 den drittgrössten Westschweizer Bahnhof einzurichten.


Literatur
– C. Biermann, «R., une ville qui naît», in Bull. de la Société neuchâteloise de Géographie 18, 1907, 98-105
– M.-L. Trépey, R., 1968
– S. Zoller, Le développement récent de R., Liz. Lausanne, 1976
– G. Chevalier, P. Maillard, Structure socio-économique de la population et desserte, développement urbain et croissance du réseau, 1979
– C. Aumeunier et al., «Elever la ville», in Tracés, 18, 2008

Autorin/Autor: Michel Depoisier / GL