Prilly

Polit. Gem. VD, Bez. Ouest lausannois. Das Dorf entwickelte sich längs der Strasse Lausanne-Jougne, ausserdem gehören die Weiler Le Chasseur, La Fleur-de-Lys und L'Union an der Route de Neuchâtel zu P., das Teil der Agglomeration Lausanne ist. 976-77 in uilla que uocatur presliacus, vor 1185 Prillie. 1416 28 Feuerstätten; 1550 10; 1764 114 Einw.; 1850 309; 1900 1'569; 1950 3'992; 1970 13'352; 2000 10'955. In Les Baumettes wurden nicht datierbare Gräber zu Tage gefördert. Der Bronzekopf eines jungen Mannes (1.-2. Jh.) stammt nicht - wie lange Zeit angenommen - aus P., sondern wurde wahrscheinlich 1704 in Lausanne-Vidy gefunden. Im MA besassen das Kapitel Lausanne und die Abtei von Saint-Maurice Güter und Rechte in P., das dem Bf. von Lausanne unterstand. Zunächst an die Ritter von P. verliehen, gelangte die Herrschaft dann über Jacques de Penthéréaz, die de Colombier, Russin, de Prez, Gimel und Daux sowie, nach der Daux-Verschwörung, an die Fam. de Crousaz und Rosset. 1729 wurde sie an die Stadt Lausanne verkauft, deren Rat die hohe, mittlere und niedrige Gerichtsbarkeit ausübte. 1536-1798, unter Berner Herrschaft, war P. Teil der Vogtei Lausanne, 1798-2006 gehörte es zum Bez. Lausanne. Die 1228 erstmals erw. Kirche wurde 1765-66 durch ein neues Gotteshaus ersetzt, in dem Louis Rivier 1927 die Wandmalereien schuf. Zur Kirchgemeinde P. (mit der Filiale Jouxtens-Mézery) gehörte von der Reformation bis 1935 auch Renens. Das ref. Kirchgemeindezentrum stammt von 1964, die kath. Guthirtkirche von 1960. Der jüd. Friedhof wurde 1900 angelegt. Das Schloss (Ende 16. bis 17. Jh.) beherbergt die Gemeindeverwaltung. Zwischen 1868 und 1873 liess der Kanton in Cery eine Heil- und Pflegeanstalt für Geisteskranke errichten (heute psychiatr. Klinik). Mit dem Bau der Eisenbahnlinie Lausanne-Echallens-Bercher 1874 und der Tramverbindung Lausanne-P. 1899 siedelten sich Industriebetriebe an. Neben der Landwirtschaft wurde Gartenbau betrieben, Gemüse und bis in die 1920er Jahre Wein angebaut. Versch. Betriebe wie Zwahlen & Mayr (1906-66, Kunstschlosserei), die von Maurice Amon 1927 gegr. Firma Scipa SA (Drucktinten) sowie das seit 1937 bestehende Unternehmen Bobst & Fils SA liessen sich nieder. Der 1945 in Betrieb genommene Schlachthof von Lausanne wurde 2002 geschlossen. Seit 1994 befindet sich das administrative Zentrum der Waadtländer Kantonalbank in P. Mit dem starken Bevölkerungswachstum ab 1900 bzw. hauptsächlich zwischen 1950 und 1970 entstanden versch. Einfamilienhausquartiere, Wohnblöcke und Infrastrukturbauten (Schulen, Schwimmbad, Eiskunstbahn, Sporthallen, Kinos). Der Dorfkern wurde 1991 für den Bau eines Einkaufszentrums umgestaltet. 2000 wurden 4'528 Zupendler und 4'153 Wegpendler gezählt. Die Gem. gehört zum Gemeindenetz Schéma directeur de l'Ouest lausannois, das sich in der Zeit zwischen 1999 und 2020 für eine ausgewogene Entwicklung der Agglomeration einsetzt.


Literatur
– M. Grandjean, Les temples vaudois, 1988, 289-295
– A. Schertenleib, W. Amaudruz, P. à l'ombre d'un tilleul, 2000

Autorin/Autor: Michel Depoisier / SK