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No 1

Jeanmaire, Jean-Louis

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geboren 25.3.1910 Biel (Jeanmaire-dit-Quartier),gestorben 29.1.1992 Bern, ref., von Les Brenets und Mont-Tramelan. Sohn des Alfred, Architekten und Kavallerieobersten, und der Adèle Lucie geb. Mauley. ∞ 1943 Marie-Louise Burtscher, Tochter des Jules, Linguistikprofessors und Übersetzers in Feodosia (Krim), der 1919 von den Bolschewiken ausgewiesen worden war. 1934 dipl. ETH-Architekt, 1940 Infanterie-Instruktionsoffizier, 1943 Generalstabsoffizier, 1939-76 Lehrbeauftragter an der Militärschule der ETH Zürich. 1948 Major, 1947-50 Kommandant eines Füsilierbataillons; 1957 Oberst, 1956-57 Kommandant eines Infanterieregiments; 1958-61 Generalstabschef der Territorialzone 4. Ab 1957 Instruktor der Luftschutztruppen (Rettungstruppen), 1962-68 Sektionschef im Bundesamt für Territorialdienst und Luftschutztruppen, 1969-75 Brigadier und Leiter des Bundesamtes für Luftschutztruppen.

1961 freundete sich J. mit dem sowjet. Militärattaché in Bern und offiziellen Vertreter des militär. Nachrichtendienstes GRU an und gab ihm wie auch später dessen Nachfolgern vertraul. Auskünfte über die Schweizer Armee weiter, bis Mitte der 1970er Jahre ein ausländ. Nachrichtendienst die schweiz. Behörden warnte. Im Aug. 1976 wurde J. verhaftet. Im Juni 1977 verurteilte ihn das Divisionsgericht 2 wegen Landesverrats zu 18 Jahren Haft (der Auditor hatte 12 Jahre gefordert). Er wurde degradiert und aus der Armee ausgeschlossen. Die Strafe wurde 1978 vom Kassationsgericht bestätigt. Seine Frau, als moral. Komplizin angeklagt, wurde freigesprochen. J. legte 1977 Rekurs ein und verlangte 1984 und 1985 vergeblich eine Revision seines Prozesses. 1988 kam er aus dem Gefängnis. In seiner Funktion hatte er keine "sensiblen" Informationen weiterleiten können. Das sehr strenge Urteil muss im Kontext der Zeit gesehen werden: Dazu zählen der Kalte Krieg, die Angst, dass die amerikan. Regierung zivile und militär. Hochtechnologieexporte der Schweiz unterbinden würde, und die öffentl. Meinung, die ein exemplar. Urteil erwartete. Die J.-Affäre ist Gegenstand des Theaterstücks "Jeanmaire: ein Stück Schweiz" von Urs Widmer (1992) und des Romans "Ein guter Soldat" von John Le Carré (1991) .


Literatur
Generalstab 8, 189 f.
– J. Schoch, Fall J., Fall Schweiz, 2006

Autorin/Autor: Hervé de Weck / CN