Pfau

Handwerker- und Künstlerfam. in Winterthur, deren Herkunft aus Öhningen am Untersee nicht gesichert ist. Ein Jos wird erstmals 1526 in den Winterthurer Steuerlisten erwähnt. Um 1539 erhielt die Fam. ihre Aufnahme ins Bürgerrecht der Stadt Winterthur. Ab der 2. Hälfte des 16. Jh. sind die P. als Hafner und Ofenmaler in den Quellen fassbar, als erster Ludwig (gestorben 1597) und einer seiner Söhne Onophrion (1564-88). Um 1600 verfügten die P. über mehrere Wohnhäuser und Produktionsstätten in der Stadt. Die beiden Brüder Hans Heinrich (1598-1673) und David (1607-70) brachten den Winterthurer Ofenbau zur Hochblüte. Kachelöfen der P. wurden bis nach Süddeutschland, Graubünden und Luzern exportiert. Daneben fanden auch dekorierte Krüge und Schüsseln aus Keramik den Weg in Ratshäuser, vornehme Stadthäuser, Schlösser, Land- und Gerichtssitze. Die P. stiegen in den Kreis der ratsfähigen Fam. der Stadt auf und stellten 1672 mit Hans Heinrich sogar den Schultheissen. Nach 1720 setzte der Niedergang des Ofenbaus ein. Im Bürgerbuch der Stadt von 1822 sind in Winterthur 19 Fam. genannt, von denen noch Daniel (gestorben 1838) und David (gestorben 1849) im angestammten Hafnerberuf arbeiteten. Im 19. und 20. Jh. stellten die P. noch drei Winterthurer Stadträte und zwei Zürcher Kantonsräte, u.a. Matthäus ( -> 4).


Literatur
– I. Hermann, «Zürcher Weinland, Unterland und Limmattal», in Die Bauernhäuser des Kt. Zürich 3, 1997, 188-196
– A. Tiziani, W. Wild, «Die frühneuzeitl. Hafnerei der Fam. P. an der Marktgasse 60 in Winterthur», in Archäologie im Kt. Zürich, 1995-1996, 1998, 225-251
– C. Pfitzer, «Der Winterthurer Fayence-Kachelofen in Isny», in Im Oberland, 2007, H. 1

Autorin/Autor: Martin Illi