• <b>Concise</b><br>Kirche und Pfarrhaus, um 1830. Kolorierte Aquatinta von  Samuel Weibel (Privatsammlung, alle Rechte vorbehalten).

Concise

Polit. Gem. VD, seit 1798 Bez. Grandson, an der Kantonsgrenze zu Neuenburg gelegen. Das 1130 ha grosse Gemeindegebiet erstreckt sich vom Ufer des Neuenburgersees bis zum Mont Aubert und umfasst neben dem Dorf C. die Weiler La Lance und La Raisse sowie mehrere Juraalpen. 1179 Concisa. 1416 70 Haushalte; 1453 60; 1798 560 Einw.; 1850 746; 1900 726; 1950 702; 2000 684.

1 - Ur- und Frühgeschichte

Bei Aushubarbeiten für den Bau der Eisenbahnlinie Yverdon-Neuenburg wurden ab 1859 auf dem Gebiet der Gem. C. archäolog. Fundstellen entdeckt, die Tausende von Fundobjekten aus dem Neolithikum und der Bronzezeit lieferten. Die versch. Kulturschichten erstrecken sich auf den Zeitraum zwischen ca. 3850 und 1050 v.Chr. Auf dem Gemeindegebiet sind mehrere Ufersiedlungen bekannt, die unter den Namen C.-La Raisse (Neolithikum), C.-La Lance (Bronzezeit), C.-Le Point (Neolithikum), C.-Gare (Neolithikum), C.-La Baie (Bronzezeit) und C.-sous-Colachoz (Neolithikum/Bronzezeit) in die Literatur eingegangen sind. V.a. die letztgenannte Station lieferte durch die gross angelegten Grabungen auf einer Fläche von mehr als 5000 m2, die durch das Projekt Bahn 2000 in den Jahren 1995-2000 notwendig wurden, neue Erkenntnisse bezüglich Architektur, Lebensweise und Umwelt der damaligen Verhältnisse.

Hervorzuheben sind insbesondere zwei Dorfanlagen aus der frühen Bronzezeit (1800-1570 v.Chr.). Mit ihrem Zugangs- und Palisadensystem sind sie in der Schweiz bisher einzigartig. Nach der Aufgabe der Pfahlbauten am Ende der Bronzezeit verlagerte sich die Besiedlung von den Seeufern auf die etwas erhöhte Terrasse am Jurafuss. So konnte in der Fundstelle C.-Fin-de-Lance eine Ansiedlung aus dem Übergang von der Bronze- zur Eisenzeit (ca. 800 v.Chr.) entdeckt werden. Als markanteste Hinterlassenschaft der Eisenzeit ist ein Grabhügel von mehr als 15 m Durchmesser mit einem inneren und äusseren Graben zu nennen, der in der Hallstattzeit (ca. 550 v.Chr.) angelegt wurde und in spätkelt. Zeit im 1. Jh. v.Chr. eine Umgestaltung erfuhr. Durch die Aufdeckung einer Strasse konnte der bisher nur vage erbrachte Nachweis röm. Besiedlung konkretisiert werden. Es wird angenommen, dass die Kalksteinbrüche Les Favarges bereits in röm. Zeit ausgebeutet worden sind.

Autorin/Autor: Claus Wolf

2 - Mittelalter und Neuzeit

Im MA war C. von den Herrschaften Vaumarcus sowie Saint-Martin-du-Chêne und ab 1282 von der Baronnie Grandson abhängig. Auf dem Gebiet von C., unweit vom Bois du Seyte, besiegten die Eidgenossen am 2. März 1476 die Truppen Karls des Kühnen. Von da an bis 1798 bildete C. mit dem benachbarten Corcelles ein Meieramt innerhalb der Vogtei Grandson. Die Gemeinde wurde von einem 24-köpfigen Rat verwaltet; daneben bestand ein Dorfgericht. Die 1228 erw. Pfarrkirche mit rom. Turm (Ende 11. Jh. ?) und spätgot. Schiff war Johannes dem Täufer geweiht. Der Bau wurde im 15. Jh. und 1676-77 umgestaltet. Das Präsentationsrecht lag beim Prior von Grandson. Das Pfarrhaus stammte aus dem MA. 1683 und 1738 wurden Neubeuten erstellt. Die Pfarrei trat 1537 zur Reformation über, nachdem mit dem Plus eine weitere Abstimmung verlangt worden war. Zu ihr gehörten auch bis 1809 die neuenburg. Dörfer Vernéaz und Vaumarcus sowie bis 1846 das waadtländ. Mutruz. Seit jeher ein Winzerdorf, wurde C. ab den 1960er Jahren zu einem eigentl. Zentrum des Weinbaus. Daneben wird Viehwirtschaft (Aufzucht, Käseproduktion) betrieben.

<b>Concise</b><br>Kirche und Pfarrhaus, um 1830. Kolorierte Aquatinta von  Samuel Weibel (Privatsammlung, alle Rechte vorbehalten).<BR/>
Kirche und Pfarrhaus, um 1830. Kolorierte Aquatinta von Samuel Weibel (Privatsammlung, alle Rechte vorbehalten).
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Autorin/Autor: Philippe Heubi / PvC

Quellen und Literatur

Literatur
  • Ur- und Frühgeschichte

    – C. Wolf, J-.P. Hurni, «Neues zur Architektur des westschweiz. Endneolithikums», in Plattform: Zs. des Vereins für Pfahlbau und Heimatkunde 7/8, 1998/99, 107-117
    – C. Wolf et al., «Les sites lacustres néolithiques et bronzes de C. VD-sous-Colachoz», in JbSGUF 82, 1999, 7-38
    – M. Maute-Wolf et al., «La station littorale de C. (VD)», in As. 25, Nr. 4, 2002, 2-15
  • Mittelalter und Neuzeit

    – A. Du Pasquier, Brève histoire de C., 1976
    – M. Fontannaz, Les cures vaudoises, 1987, 146, 404