Lavater

Zürcher Bürgergeschlecht, das auf den Stammvater Nicolaus, Schuhmacher von Rheinau, zurückgeht, der 1446 Zürcher Bürger wurde. Die L. waren im 15. Jh. eine Handwerkerfamilie (Schuhmacher und Gerber), die vermutlich auch erfolgreich mit Leder handelte. Sie stiegen innerhalb einer Generation zu einer der bedeutendsten Zürcher Fam. auf. Hans sass 1502 für die Zunft zur Gerwe als erster L. im Gr. Rat. Sein Sohn Hans Rudolf ( -> 4) erreichte 1521 nach der Teilnahme an den Papstzügen eine hohe militär. Stellung und war ab 1536 Ratsherr im Kl. Rat und 1544-57 Bürgermeister von Zürich, ohne dass vorher ein Mitglied der Fam. im Kl. Rat gesessen hatte. 1532-45 hatte die Fam. die Gerichtsherrschaft Nieder- und Mettmenhasli inne. Dieser Aufstieg kündigte sich bereits Jahrzehnte vorher in der Heiratspolitik der L. an. So war Hans (gestorben 1501), Sohn des Nicolaus, mit Ursula Kambli verheiratet, die einer wichtigen Zürcher Bürgerfamilie angehörte. Auf die Söhne des Bürgermeisters Hans Rudolf gehen zwei Linien zurück. Ludwig ( -> 12) begründete die heute noch bestehende Ärzte- und Gelehrtenlinie, zu der u.a. Heinrich ( -> 5), Heinrich ( -> 6), Johannes ( -> 9), Johann Kaspar ( -> 10) und Diethelm ( -> 1) zählen. Felix (1531-86) ist der Stammvater der vorerst im Handwerkerstand verbleibenden Linie, aus der im 17. Jh. praktisch ausschliesslich Geistliche hervorgingen und die 1806 erlosch. Die L. waren im 17. und 18. Jh. sehr stark im Zürcher Rat vertreten. Sie stellten 47 Grossräte und 17 Kleinräte sowie 13 Landvögte (neun davon im 18. Jh.). Die Fam. L. besass mehrere Häuser in der Stadt Zürich, die Landgüter Zum Breitenstein (Wipkingen) und Zum Ankenhof (Oberengstringen) sowie 1741-77 die Halbinsel Au.


Archive
– ZBZ, FamA
Literatur
Schweiz. Geschlechterbuch 1, 254-257; 7, 313-319
Dt.-Schweiz. Geschlechterbuch 4, hg. von B. Körner, 1929, 101-215
– H. Stucki, Bürgermeister Hans Rudolf L., 1492-1557, 1973

Autorin/Autor: Katja Hürlimann