Poliez-le-Grand

Ehemalige politische Gemeinde VD, Bezirk Gros-de-Vaud, seit 2011 mit Naz, Dommartin und Sugnens Teil der neuen Gemeinde Montilliez. Am rechten Ufer des Talent gelegen. 1160-79 Poleto, 1225 Pollie lo Grant. 1453 20 Feuerstätten; 1764 49; 1803 382 Einw.; 1850 470; 1900 349; 1950 329; 2000 528.

Im MA besassen versch. Herren, unter ihnen die Edlen von Goumoëns und de Vulliens, sowie das Priorat Lutry und die Abtei Montheron Güter und Rechte in P. Nach 1475 kam das Dorf unter die gemeine Herrschaft Berns und Freiburgs und gehörte ab 1481 zu ihrer gemeinsamen Vogtei Orbe-Echallens, in der sich bis 1798 die Landvögte der beiden Orte zur Ausübung der Gerichtsbarkeit abwechselten. Die Stadt Lausanne besass die Lehensgüter, Bern den Zehnten. Das Dorf wurde von zwei Gemeindevorstehern (gouverneurs) und einem Zwölferrat verwaltet. 1798-2006 gehörte P. zum Bezirk Echallens. Die 1141 belegte Pfarrei P. unterstand der Abtei Montbenoît (Diözese Besançon). Das Dorf sprach sich 1619 im sog. Plus für die Reformation aus, gestand aber der kath. Minderheit ihre Glaubensfreiheit zu. 1699 wurde das Pfarrhaus neu gebaut und 1711 die Marienkirche restauriert. Die landwirtschaftlich geprägte Gemeinde zählte 2000 14 Bauernhöfe, auf denen Ackerbau und Viehzucht betrieben wurde. 2005 stellte der 1. Sektor knapp 20% der Arbeitsplätze. Nach dem starken Bevölkerungswachstum in den 1980er Jahren entwickelte sich P. zu einer Wohngemeinde. 2000 waren gut drei Viertel der Erwerbstätigen Pendler, die v.a. in der Agglomeration Lausanne arbeiteten. 1923-2004 bestand eine Milchgenossenschaft, das Gewerbe ist mit Bau-, Abbruch- und Transportunternehmen vertreten.


Literatur
– E. Dupraz, Introduction de la Réforme par le "Plus" dans le bailliage d'Orbe-Echallens, 1916
– M. Fontannaz, Les cures vaudoises, 1987, 73-75
– D. Décosterd, Région du Gros-de-Vaud: programme de développement, 3 Bde., 1990

Autorin/Autor: Marianne Stubenvoll / ANS