Werra, von [de]

Walliser Adelsfam., die im 13. Jh. in Visp und Umgebung ansässig war und sich im 15. Jh. nach Leuk verzweigte. Als Stammvater gilt der vor der Mitte des 13. Jh. nachgewiesene Wilhelm de Werrun von Törbel. Nach 1378 teilten sich die W. mit den von Silenen, de Platea und Asperlin den Besitz der Grund- und Herrschaftsrechte der vertriebenen de Compey, Erben der Gf. von Blandrate in Zermatt, und wurden so Mitherren des Orts. Sie nannten sich in der Folge Junker (domicelli). Über seine zweite Ehefrau erlangte Johannes ( -> 8), der 1524-25 als Landeshauptmann an der Spitze der Landschaft Wallis stand, reichen Besitz in Martigny und ausgedehnte Lehen im Piemont. Sein Enkel Johann Gabriel kam über seine Gattin Maria Schiner zu einem Teil der Leuker Bäder. Die Fam. brachte Kleriker, darunter sieben Domherren von Sitten, z.B. Alex ( -> 1), einer der Kandidaten bei der Bischofswahl 1734, und drei Chorherren von Saint-Maurice, Notare und Landratsboten, Kastläne von Visp, Sitten, Niedergesteln, Vionnaz-Bouveret und Meier von Nendaz/Hérémence hervor. 18-mal bekleideten Angehörige der Fam. das Amt eines Meiers von Leuk, achtmal das eines Landvogts von Saint-Maurice oder Monthey. Viele W. waren Bannerherren und Zendenhauptmänner, Oberste ob und nid der Mors und standen als Offiziere in franz., span., sardin., neapolitan. und päpstl. Diensten. Ferdinand ( -> 5) wurde 1806 von Ks. Franz I. von Österreich zum Reichsfreiherrn erhoben. In Susten (Gem. Leuk) baute er das Schloss W. (heute Altersheim) aus. Nach den Wirren der Revolution stellte die Fam. mehrere Burger- und Gemeindepräs., Regierungsstatthalter und Grossräte. Camille ( -> 2) war National- und Ständerat, Charles ( -> 3) wirkte als Nationalrat, Raphael ( -> 11) als Staatsrat und Raphael ( -> 12) wurde 1969 Bundesrichter.


Literatur
Schweiz. Geschlechterbuch 3, 513-522
Neues Walliser Wappenbuch 1, 1974, 256 f.
– R. von Werra, «Zur Gesch. der Fam. von W., 1236-1536», in Vallesia 45, 1990, 409-518
– W. Meichtry, Die Walliser Adelsfam. von W., 2001

Autorin/Autor: Bernard Truffer