Stockalper [von, de] (vom Thurm)

Adlige Walliser Fam., die ein unsicherer Stammbaum bis 1287 auf den Mailänder Adligen Giovanni Olteri zurückführt. Sie besass das Burgerrecht von Brig, Glis, Grengiols, Mörel, Ried-Brig und Saint-Maurice. 1399 wird sie mit dem in Naters als Zeuge auftretenden Peter erstmals urkundlich erwähnt. Den Namen übernahm die Fam. im 14. Jh. von der zu Ganter gehörenden Stockalpe an der Simplonroute, wo sie Güter besass. 1648 wurde der Unternehmer und Politiker Kaspar ( -> 6) vom Hzg. von Savoyen als Baron von Duingt geadelt. 1653 wurde er Reichsritter. Von da an trug die Fam. den Zusatz vom Thurm (de Turre). 1810 erhielt die Fam. den Titel eines Barons des franz. Kaiserreichs, 1817 den röm. Grafentitel vom Papst und 1836 jenen vom Kg. von Sardinien.

Im 14. Jh. bekleidete die Fam. am Simplonpass und im 15. Jh. in Brig versch. Ämter. Anton, 1502 Grosskastlan von Niedergesteln-Lötschen und Zendenrichter, war in Brig reich begütert. Im 16. und 17. Jh. feierten mehrere S. auch ausserhalb des Zenden Brig polit. Erfolge, so Antons Enkel Peter ( -> 10) als Walliser Landeshauptmann. Er errichtete um 1533 in der Burgschaft Brig ein herrschaftl. Haus, das Kaspar im 17. Jh. zu einer mächtigen Schlossanlage ausbaute. Unter jenem mehrten sich Besitz und Macht der Fam., doch durch seinen Sturz 1678 verlor sie ihre Vormachtstellung wieder. Ihr Reichtum garantierte aber weiterhin Verschwägerungen mit der Walliser Elite, u.a. den Ganioz, Burgener und de Quartéry. Im 18. Jh. kehrte das dem Katholizismus verbundene Geschlecht an die Spitze der Walliser Politik zurück. Mit Kaspar Jodok (Jost, 1713-95), Landratsbote und Oberst ob der Mors (Oberwallis), erfolgte ein neuer wirtschaftl. Aufschwung. Das Ansehen der Fam. stieg im letzten Drittel des 18. Jh. mit Kaspar Jodoks Sohn Kaspar Eugen ( -> 8), der vor und nach der Revolution von 1798 Ämter erlangte. Die beiden folgenden Generationen absolvierten militär. Karrieren in päpstl. und neapolitan. Diensten und bis Ende des 19. Jh. besetzten die S. etwa als Gerichtspräsidenten oder Staatsräte wichtige Ämter im Kanton. Das Geschlecht der Briger S. erlosch mit Kaspar (1900-75). Letzter männl. Spross der Linie in Saint-Maurice, die 1815 von Eugen Malachias ( -> 3) begründet worden war, war Adrian (1888-1978). In Grengiols blühte noch zu Beginn des 21. Jh. ein nichtadliger Zweig der S.

1948 kaufte die Gem. Brig das Schloss von Josef, dem letzten Schlossbewohner. Nach seinem Tod 1955 führte die Schweiz. Stiftung für das Stockalperschloss in mehreren Etappen umfassende Restaurierungen durch. Es beherbergte zu Beginn des 21. Jh. die Stadtverwaltung, das Familienarchiv der S. und das Forschungsinsitut zur Geschichte des Alpenraums.


Archive
– Stockalperarchiv, Forschungsinst. zur Gesch. des Alpenraums, Brig
Literatur
Schweiz. Geschlechterbuch 6, 684-695
– L. Carlen, Das Stockalperschloss in Brig, 22003
– G. Imboden, Das Stockalperschloss in Brig, 2005

Autorin/Autor: Marie-Claude Schöpfer Pfaffen