Dommartin

Ehemalige politische Gemeinde VD, Bezirk Gros-de-Vaud, seit 2011 mit Naz, Poliez-le-Grand und Sugnens Teil der neuen Gemeinde Montilliez. 908 Domno Martino villa. 1764 164 Einw. (35 Feuerstellen); 1850 245; 1870 260; 1900 207; 1950 195; 1970 140; 2000 241. 908 wurde D., vorher Königsgut der Rudolfinger, Besitz der Kirche von Lausanne. Spätestens ab dem 12. Jh. war D. eine Pfarrei, deren Patronatsrecht das Domkapitel innehatte. Die Pfarrkirche war dem hl. Martin geweiht. 1180-90 baute das Kapitel hier unter der Leitung des Chorherrn Bandino von Pisa, eines Juristen aus dem Umfeld des Bf. Roger de Vico Pisano, einen befestigten Ort, dem dieselben Freiheiten wie Lausanne zugestanden wurden und dessen Verwaltung gut ausgebaut war. Mit der Feuersbrunst 1235, die den Ort zerstörte, setzte der Niedergang von D. ein. Vor der Katastrophe besass D. um die 100 Feuerstellen, 1317 ca. 40 und 1448 gar nur noch um die zehn. Bis 1536 war D. Hauptort einer grossen Kastlanei des Domkapitels, die völlig unabhängig vom Lausanner Bischof war. 1536-1798 bildete D. eine bern. Kastlanei (Mandement D.) der Vogtei Lausanne. Sie umfasste Sugnens, Naz, Peyres-Possens, Montaubion-Chardonnay und Villars-Tiercelin. Im 15. und 16. Jh. war die Kastlanei Schauplatz zahlreicher Hexenprozesse, deren Akten erhalten sind. 17982006 gehörte das Dorf zum Bezirk Echallens. Um 1547 brannte der Ort ein zweites Mal ab. In der Folge wurde der ma. Siedlungskern auf der Erhebung oberhalb der Mentue aufgegeben und das Dorf weiter südlich in flachem Gelände neu angelegt. Seit Einführung der Reformation ist D. eine Kirchgemeinde, welche heute -- mit Ausnahme von Villars-Tiercelin -- alle Dörfer der ehemaligen Kastlanei umfasst. Die jetzige Kirche stammt aus den Jahren 1733-35. Im 1602 erbauten Pfarrhaus wurde 1705 ein Gefängnis für das Chorgericht eingerichtet. Die Ruinen der ma. Stadt stehen seit 1900 unter Denkmalschutz. Die Bevölkerung lebt auch heute noch weitgehend von der Land- und Forstwirtschaft. 80 ha des 295 ha grossen ehemaligen Gemeindegebiets bestehen aus Wald.


Literatur
– O. Blanc, Le temple de D., 1984
– M. Fontannaz, Les cures vaudoises, 21987, 35 f., 49 f., 407
– P.-H. Choffat, La sorcellerie comme exutoire, 1989
– J.-D. Morerod, «Un aménagement foncier à D. en 1440 et le sens du mot "tierdoz"», in Paysages découverts 1, 1989, 129-134

Autorin/Autor: Jean-Daniel Morerod / AW