Schiner

Das aus Mühlebach (heute Gem. Ernen) im Goms stammende Geschlecht kann bis zu Nikolaus Znitweg um die Mitte des 14. Jh. zurückverfolgt werden. Sein Enkel Matthäus (1432-67 erw.) nannte sich als Erster S. Der erste Aufstieg der Bergbauern- und Handwerkerfamilie ist untrennbar mit Bf. Niklaus ( -> 9) verbunden. Durch kirchl. Ämter zu Wohlstand gelangt, förderte er mit Schenkungen und der Vergabe von einträgl. Ämtern Familiensinn und Zusammenhalt. Mit seinem Neffen, Kardinal Matthäus ( -> 7), erreichte die Fam. um 1500 den Höhepunkt ihrer Macht. Der rasche Aufstieg, die Anmassung und Selbstherrlichkeit des Kardinals sowie die Habgier seiner Brüder Kaspar und Peter entfesselten die Missgunst der Gegner, die den Sturz der S. verursachten. Trotz der Anfeindungen erholte sich die Fam., die 1509 das Burgerrecht von Sitten erworben und sich auch nach Ernen, Fiesch, Fieschertal und Bellwald verzweigt hatte. Kaspars Sohn Matthäus ( -> 8) leitete als Landeshauptmann und Führer der Katholiken gegen die Reformierten in Sitten und Leuk eine neue Blütezeit der Fam. ein. Sein Urenkel Johann Fabian ( -> 3) war im 18. Jh. ebenfalls Landeshauptmann. Vier Söhne von Johann Fabian schlugen eine kirchl. und drei eine polit. Laufbahn ein, während vier seiner Töchter in aufstrebende Walliser Fam. einheirateten. Die S. stellten sechs Landvögte (u.a. Hildebrand -> 2), mit Franz Joseph Ignaz ( -> 1) einen Kriegsminister der Helvet. Republik sowie zahlreiche Gommer Zendenbeamte und geistl. Würdenträger (z.B. -> 5, -> 6, -> 4). Nach dem Ende des Freistaats Wallis 1798 wurde es um die Fam. ruhig. Heute lebt noch ein kleiner Zweig in Ernen, wo zwei stattl. Schinerhäuser an die Blütezeit der Fam. erinnern.


Literatur
– J. Lauber, «Geschichtl. Notizen zur Stammtaf. der Fam. S.», in BWG 6, 1924, 372-410
– H.A. von Roten, «Zur Gesch. der Fam. S.», in BWG 14, 1967/68, H. 2, 161-220

Autorin/Autor: Bernard Truffer