• <b>Kalbermatten</b><br>Wappenscheibe mit einer Inschrift, die auf alt Kastlan Anton von Kalbermatten hinweist, 1719 (Geschichtsmuseum Wallis, Sitten, MV292_2) © Geschichtsmuseum Wallis, Sitten; Fotografie Jean-Yves Glassey.

Kalbermatten [Kalbermatter] [von, de]

Seit 1305 bezeugte Fam. aus dem Saastal, die ihren Namen vom Weiler Kalbermatte in der Gem. Saas-Fee herleitet und zunächst v.a. unter der Schreibweise Kalbermatter nachgewiesen ist. Die heute noch in allen Saaser Gem. stark verbreitete Fam. verzweigte sich schon früh in die benachbarten Orte und Bezirke und gehörte vor 1798 zu den einflussreichsten Fam. der Landschaft Wallis; sie stellte u.a. 7 Landeshauptmänner und 16 Landvögte. In den Zenden Visp, Raron, Leuk und Sitten war sie durch viele Bannerherren, Zendenhauptleute, Kastlane und Meier vertreten. Zudem zieren zahlreiche geistl. Würdenträger den Stammbaum; so gehörten dem Domkapitel von Sitten u.a. Heinrich ( -> 8) und Emmanuel ( -> 6) an. Auch nach 1798 blieb die Fam. in der Walliser Öffentlichkeit präsent. Ludwig ( -> 15) sass 1895-96 im Ständerat. Die zahlreichen Zweige lassen sich kaum mehr auseinander halten. Neben der Saaser Hauptlinie, die sich im Zenden Visp nach Eisten, Stalden, St. Niklaus, Törbel und Visp verbreitete, sind die Linie von Raron und die Linien von Sitten hervorzuheben.

Einer mit Anton zen K. 1489 in Visp eingebürgerten und 1587 erloschenen Linie gehörte der Landeshauptmann Jodok ( -> 10) an, der in Visp den Hengartero-Turm zum Familiensitz ausbauen liess. Die bedeutendste Visper Linie wurde 1631 mit Johann aus Saas eingebürgert. Aus ihr ging Josef Alois ( -> 12) hervor, der 1823 von Kg. Ludwig XVIII. den auf die männl. Erstgeburt vererbbaren Baronstitel erhielt. Seine vier Söhne machten glänzende militär. Karrieren in franz., sardin., piemontes. und päpstl. Diensten, so u.a. Wilhelm ( -> 20). Diese Linie erlosch 1975 in Österreich mit dem Tod der Baronin Josephine von K., Gattin des Richard von Schüch.

<b>Kalbermatten</b><br>Wappenscheibe mit einer Inschrift, die auf alt Kastlan Anton von Kalbermatten hinweist, 1719 (Geschichtsmuseum Wallis, Sitten, MV292_2) © Geschichtsmuseum Wallis, Sitten; Fotografie Jean-Yves Glassey.<BR/>
Wappenscheibe mit einer Inschrift, die auf alt Kastlan Anton von Kalbermatten hinweist, 1719 (Geschichtsmuseum Wallis, Sitten, MV292_2) © Geschichtsmuseum Wallis, Sitten; Fotografie Jean-Yves Glassey.
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Die Linie von Raron geht auf Nikolaus aus dem Zenden Visp zurück, der sich um 1395 in der Gegend von Unterbäch niederliess. Mit den Asperlin versippt, wurden die Rarner K. bald zum reichsten und angesehensten Geschlecht des Zendens. Zu ihm gehören die Landeshauptmänner Nikolaus der Jüngere ( -> 16) und Arnold ( -> 3). Diese Linie verzweigte sich nach Hohtenn, Niedergesteln und Blatten im Lötschental; vermutlich stammen die K. im Zenden Leuk (Turtmann, Albinen) auch von den Rarner K. ab.

Einer älteren, wohl schon Ende des 16. Jh. erloschenen Sittener Linie, die zu Beginn des 15. Jh. aus Saas nach Sitten gekommen war und 1422 das Stadtburgerrecht erwarb, gehörten die beiden Brüder und Landeshauptmänner Johannes ( -> 11) und Anton ( -> 2) an. Begründer der heute noch blühenden Sittener Linie ist Nikolaus, Sohn des erwähnten Landeshauptmanns Arnold, der seinen ständigen Wohnsitz in Sitten nahm und dort Burger und 1521 Burgermeister wurde. Dieser Linie entstammen die beiden Landeshauptmänner Nikolaus ( -> 17) und dessen Sohn Stefan ( -> 18). Vom 16. bis 19. Jh. dienten viele Sittener K. in franz., span. und piemontes. Diensten, so Jakob Arnold ( -> 9), dessen Söhne Bruno ( -> 5) und Gregor ( -> 7) sowie Louis-Grégoire ( -> 14). 1712 erhielten sechs höhere Offiziere, unter ihnen Jakob Arnold, von Kg. Ludwig XIV. den Adelstitel. 1832 verlieh der König von Piemont-Sardinien dem Ritter Louis-Grégoire den Grafentitel, vererbbar auf die männl. Erstgeburt. Zu diesem Zweig gehörte u.a. Wilhelm von K., 1931-32 Präs. des Walliser Gr. Rates. Im 20. Jh. taten sich die Sittener K. v.a. in freien Berufen als Architekten (Joseph -> 13 und dessen Sohn Alphonse -> 1) und Ingenieure (Arnold -> 4) hervor.


Literatur
Schweiz. Geschlechterbuch 6, 310-325
Walliser Wappenbuch, 1946, 138-140
– N. Pfaffen, «Die K. in Visp», in Bull., Walliser Vereinigung für Familienforschung 7, 1997, 34-37

Autorin/Autor: Bernard Truffer