Barberini (VS)

Aus Vionnaz stammende Walliser Patrizierfam., deren urspr. Name Nyvet lautete. Der Name B. (auch Barbellin oder Barberin) leitet sich vom südwestl. von Salvan gelegenen Weiler Barberine ab. Eine Verkaufsurkunde vom 2.3.1487 nennt einen Pierre Nyvet alias Barberin. Eine zusammenhängende genealog. Linie setzt allerdings erst mit Pierre Barbellin (gestorben 1587) ein, Notar von Vionnaz. Sein Enkel Petermann liess sich mit seiner Fam. in Sitten nieder. Unter dem Pontifikat von Urban VIII. (1623-44), der urspr. Maffeo B. hiess, übernahm die Fam. den Namen des berühmten Toskaners. Petermann wurde 1643 als Walliser Landmann aufgenommen und erwarb mit seinem Sohn 1644 das Burgerrecht von Sitten. Letzterer bekleidete in der Bürgergem. mehrere Ämter. Die Fam. engagierte sich in fremden Diensten (1673 Frankreich, 1742 Sardinien), verband sich durch Heiraten mit den ältesten Fam. des Sittener Patriziats und trat 1670 mit Martin ins Domkapitel ein. Der bis ins 20. Jh. reichende Zweig geht auf einen Sohn aus 2. Ehe des jüngeren Petermann, Jacques Emmanuel, zurück. Sein Sohn François Emmanuel (gestorben 1786) bekleidete zweimal das Amt eines Bürgermeisters von Sitten (1760-62, 1774-76) und leitete den Bau der neuen Staatskanzlei. Sein Sohn Joseph Emmanuel (1733-1807) war ebenfalls Sittener Bürgermeister (1784-86) und arbeitete als Präs. der nach dem Stadtbrand 1788 eigens eingesetzten Komm. am Wiederaufbau der Stadt mit. Dank der Tätigkeit als Advokaten und Notare und der Übernahme öffentl. Ämter (z.B. durch Emmanuel -> 1) konnte die Fam. ihren Einfluss über die Zeit der polit. Richtungskämpfe (1830-57) hinaus bewahren.


Archive
– StAVS, Genealogie
– BurgerA Sitten, Fonds B.
Literatur
– Biner, Walliser Behörden, 251
– J. Fayard Duchêne, Les origines de la population de Sion, 1994

Autorin/Autor: Janine Fayard Duchêne / SK