• <b>Bercher</b><br>Kirche und Pfarrhaus um 1830. Kolorierte Aquatinta von  Samuel Weibel (Musée historique de Lausanne).

Bercher

Polit. Gem. VD, Bez. Echallens, im Gros-de-Vaud gelegen. 1154 de Berchiaco. 1302 41 Feuerstätten; 1416 50; 1699 153 Einw.; 1764 218; 1798 225; 1850 329; 1900 524; 1950 408; 2000 878. Im MA war B. Zentrum einer Herrschaft, die Rueyres, Fey und Saint-Cierges umfasste und den Herren von Cossonay gehörte. Diese unterstellten sie 1299 dem Bf. von Lausanne. Nach dem Aussterben der Cossonay machten sich Jean de Chalon-Arlay und Aymon de La Sarraz die Herrschaft streitig. Der Konflikt wurde 1409 von Amadeus VIII. von Savoyen zugunsten des Ersteren geregelt. Ab 1420 unterstand die Herrschaft B. unmittelbar dem Hzg. von Savoyen, der sie 1441 Humbert de Glérens überliess. Durch Heirat fiel sie später an Claude Dortans, dessen Nachkommen sie 1683 Georges de Saussure vermachten. 1712 wurde sie von Bern zugunsten von Jean-Louis de Saussure zur Baronie (Kastlaneigericht mit niederer Gerichtsbarkeit) erhoben. Das alte Schloss wurde zwischen 1658 und 1732 niedergerissen, das bestehende Ende des 17. Jh. erbaut. Im 15. Jh. war B. ein befestigtes Landstädtchen. Eine Gemeindeorganisation ist seit dem Ende des 15. Jh. nachweisbar. Unter Bern gehörte B. zur Landvogtei Yverdon und kannte die Institution der Gemeindeversammlung. B. kam 1798 zum helvet. Distrikt Yverdon, 1803 zum Bez. Moudon, 1960 zum Bez. Echallens. Zur erstmals 1228 erw. Pfarrei (Kirche Notre-Dame) gehörten ab dem 15. Jh. auch Rueyres (ausser 1724-1846) und Fey (seit der Reformation) sowie 1825-1910 das Dorf Ogens. 1724 entstand eine neue Kirche. Eine Mühle wird 1332 erw. Am Martinet genannten Ort befand sich eine Schmiede. Eine Gesellschaft von Grandson versuchte dort Weissblech herzustellen, scheiterte aber 1726. 1880-1921 erfolgte ein starker Entwicklungsschub dank der Kondensmilchfabrik von Nestlé (anfangs 20. Jh. 130-140 Arbeiter). Seit 1889 besitzt B. einen Anschluss an die Bahnlinie Lausanne-Echallens-B. Die Bevölkerung nimmt seit den 1960er Jahren beständig zu. Heute ist B. ein lokales Wirtschaftszentrum und zusammen mit Echallens Sitz einer landwirtschaftl. Genossenschaft. Im Bez. Echallens ist B. die Gem. mit dem grössten Anteil an Erwerbstätigen im 3. Sektor (1990 73%).

<b>Bercher</b><br>Kirche und Pfarrhaus um 1830. Kolorierte Aquatinta von  Samuel Weibel (Musée historique de Lausanne).<BR/>
Kirche und Pfarrhaus um 1830. Kolorierte Aquatinta von Samuel Weibel (Musée historique de Lausanne).
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Literatur
– R. Paquier, Histoire d'un village vaudois: B., 1972
– D. Décosterd, Région du Gros-de-Vaud: programme de développement, 3 Bde., 1990

Autorin/Autor: Marianne Stubenvoll / MF