27/09/2010 | Rückmeldung | PDF | drucken

Penthalaz

Polit. Gem. VD, Bez. Gros-de-Vaud, am linken Ufer der Venoge, bestehend aus dem Dorf P., dem Arbeiterquartier Sous la Ville, dem Einfamilienhausquartier Bellevue und der Industriezone Cossonay-Gare. 1182 Pentala. 1416 26 Feuerstätten; 1474 17; 1550 29; 1574 22; 1764 242 Einw.; 1798 273; 1850 296; 1900 372; 1930 555; 1950 905; 1970 1'701; 2000 2'283.

Gräberfelder aus der Römerzeit in Illette und aus dem FrühMA in Sauffaz. Bis Anfang des 15. Jh. gehörte P. den de Cossonay, die das Dorf 1216 und 1227 ihrem Vasallen, einem Ritter von P., verliehen. Die Gem. war danach Teil der savoy. Kastlanei Cossonay und 1536-1798 der bern. Vogtei Morges. P. wurde von einem zwölfköpfigen Rat verwaltet. 1798-2006 gehörte der Ort zum Bez. Cossonay. Die Kirche Saint-Martin, in der eine der ältesten noch erhaltenen Glocken (1465) im Kanton hängt, war vor 1228 Pfarrkirche. Nach 1798 gehörte P. als Filiale zu Daillens und bildete erst ab 1961 wieder eine selbstständige Pfarrei. 1565, 1566 und 1613 wurde P. von der Pest heimgesucht, 1839 zerstörte ein Brand zwei Drittel des Dorfs. Der Bau des Bahnhofs P.-Cossonay 1855 (seit 1913 Cossonay) an der Linie Morges-Yverdon und der Zahnradbahn nach Cossonay-Ville 1897 trug viel zur Entwicklung der Industrie bei. Les Grands Moulins, die bis 1798 als Twingmühlen dienten, wurden 1925 von Samuel Cuendet gekauft, modernisiert und in eine AG umgewandelt. Bei der zweiten Mühle in Illette liess sich 1884 die Kondensmilchfabrik Warnery nieder. Sie wurde 1898 zur Fabrique de câbles Aubert & Cie. und 1923 zur Câbleries et Tréfileries de Cossonay SA (1899 15 Beschäftigte, 1920 980, 1921 245, in den 1970er Jahren ca. 700). Die Entstehung des Quartiers Sous la Ville ab 1905 und jenes von Einfamilienhäusern ab 1926 sowie die Entwicklung des Bahnhofbereichs gehen auf diesen wirtschaftl. Aufschwung zurück. 1937-39 fand eine Güterzusammenlegung statt, 1982 entstand ein Zonenplan. Die zwei Schulhäuser wurden 1841 bzw. 1952 erstellt. 1917 zog der erste Arbeiter in die Gemeindeexekutive ein, seit 1949 hat P. ein Gemeindeparlament mit einer starken SP.


Literatur
– D. Francillon, L'ouvrier au village, 1985
– P. Delacrétaz, Les vieux moulins du Pays de Vaud et d'ailleurs, 1986, 20-31

Autorin/Autor: François Béboux / BE