Orny

Polit. Gem. VD, Bez. Morges, die an der Einmündung des Nozontals in die Orbe-Ebene liegt und das Dorf O. sowie die Siedlung Entreroches umfasst. 1011 in Orne. 1453 45 Feuerstätten; 1764 180 Einw.; 1798 214; 1850 301; 1900 302; 1950 306; 2000 334. Zu den zahlreichen Spuren aus röm. Zeit zählen eine Strasse, ein Meilenstein aus dem 2. Jh., Ziegel, ein Gebäude mit Mosaik und ein galloröm. Brandgräberfeld über einer frühgeschichtl. Fundschicht. Die 1177 erw. Kirche Notre-Dame wurde spätestens 1228 zur Pfarrkirche erhoben. Ihr Glockenturm stammt aus dem ausgehenden 15. Jh. und erinnert mit seiner steinernen Spitze an die Kirchturmarchitektur im Rhonetal und im Chablais. Nach der Reformation wurde O. eine Filiale der Kirchgem. La Sarraz. Im MA war O. ein Lehen der von Grandson, ab 1542 der de Gingins und gehörte zur Freiherrschaft La Sarraz. Als sich diese 1626 auflöste, kam O., das 1645 von Pompaples getrennt wurde, als Apanage an einen jüngeren Zweig der Fam. de Gingins. 1536-1798 bildete O. einen Teil der Vogtei Romainmôtier, 1798-2006 des Bez. Cossonay. Die Gem. wird von einem fünfköpfigen Gemeinderat und der Gemeindeversammlung verwaltet. In einem 1795 errichteten Gebäude waren ein Schulzimmer, eine Weinpresse und ein Backofen untergebracht. Letzterer wurde 2002 restauriert. 2005 stellte der 1. Sektor 38% der Arbeitsplätze in der Gemeinde. Das von Victor de Gingins (1690-1758) erbaute Schloss wurde 1871 an die kant. Anstalt für Kranke, Unheilbare und behinderte Alte vererbt und beherbergt heute das nach seinem Stifter benannte Alters- und Pflegeheim Cottier-Boys.


Archive
– ACV, Château de La Sarraz
Literatur
– L. Auberson, H. Kellenberger, «O.: histoire architecturale d'une église paroissiale», in RHV, 1992, 6-64

Autorin/Autor: Patrick-R. Monbaron / ANS