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Charrière, François

geboren 1.9.1893 Cerniat (FR), gestorben 11.7.1976 Freiburg, kath., von Cerniat. Sohn des Louis, Ammanns und Friedensrichters, und der Sophie geb. Chollet. C. machte seine Gymnasialstud. 1905-11 am Kollegium St. Michael in Freiburg, 1911-13 am Kapuzinerkolleg Stans, studierte dann Philosophie und Theologie am Priesterseminar in Freiburg und empfing dort 1917 die Priesterweihe. 1917-21 Vikar in Lausanne, studierte er danach kanon. Recht am Angelicum in Rom und promovierte 1923 zum Dr. iur. can. 1924-45 wirkte er als Prof. für Moraltheologie am Priesterseminar Freiburg. 1929-38 war er zusätzlich Prof. des Kirchenrechts, 1931-36 ausserdem an der Univ. Freiburg. 1941-45 geistl. Direktor der "Liberté". 1945 wurde er als Nachfolger von Marius Besson Bf. von Lausanne, Genf und Freiburg. 1970 trat er von seinem Amt zurück.

Neben den Aufgaben der Priesterausbildung und der Pflege geistl. Lebens setzte sich C. für die soziale Sensibilisierung und die Wahrnehmung der Aufgaben ein, die auf Freiburg als Sitz zahlreicher internationaler kath. Organisationen zukamen. Nachdem er bereits 1926 mit Charles Journet die Zeitschrift "Nova et vetera" gegründet hatte, förderte er 1944 die Schaffung einer eigenständigen kath. Nachrichtenagentur für die franz. Schweiz (Kipa). Besondere Aufmerksamkeit schenkte er dem Missionswerk der kath. Kirche. Für Studenten aus Übersee, insbesondere aus China, rief er 1927 das Unterstützungskomitee Œuvre Saint-Justin ins Leben und gründete das gleichnamige Wohnheim. Genf, Sitz zahlreicher internat. Organisationen und des Weltkirchenrats, ermöglichte Kontakte und Stellungnahmen. Sie liessen C. stärker als andere Schweizer Bischöfe in die Öffentlichkeit treten. In der Schweiz. Bischofskonferenz übernahm er die Ressorts Ökumenismus und Kirche-Staat. Im Vorfeld und im Verlauf des 2. Vatikan. Konzils setzte er sich für vermehrte internat. Kontakte unter Theologen ein. Schwerpunkte dieser Begegnungen waren die Ökumene, insbesondere die Aufgabenumschreibung des 1960 gegründeten röm. Sekretariats für die Einheit der Christen, sowie die Revision der kath. Einstellung zur Religionsfreiheit. Auf dem Konzil sprach C. zu Fragen der sozialen Kommunikation und der Mischehe. 1948 hielt er eine Diözesansynode ab. Die Zahl der Katholiken seiner Diözese stieg in seiner Amtszeit von 265'000 auf 550'000. Im selben Zeitraum wurden 59 kath. Pfarreien errichtet.


Literatur
HS I/4, 191-194, (mit Bibl.)

Autorin/Autor: Victor Conzemius