• <b>Cossonay (Gemeinde)</b><br>Ansicht der Gewerbezone von Cossonay, um 1940. Fotografie von  Emile Gos (Bibliothèque cantonale et universitaire Lausanne) © Musée de l'Elysée, Lausanne. Die Gewerbezone am Ufer der Venoge profitierte in der Mitte des 19. Jahrhunderts vom Bau der dem Fluss entlang führenden Eisenbahnlinie. Im Vordergrund erkennt man die Société des Câbleries et Tréfileries SA, dahinter den Bahnhof und die Grands Moulins.

Cossonay (Gemeinde)

Polit. Gem. VD, Bezirkshauptort. C. liegt auf einem Plateau, das steil zum rechten Ufer der ca. 130 m tiefer gelegenen Venoge abfällt. Das Gemeindegebiet umfasst C.-Ville und den Weiler Allens. Die Grands Moulins und die Kabelwerke von C. sowie der Bahnhof und die Ortschaft C.-Gare befinden sich dagegen am Fuss eines Hügels auf dem Gebiet von Penthalaz. 1096 Cochoniacum, 1164 Cosonai. 1550 111 Haushalte; 1764 507 Einw.; 1798 702; 1850 938; 1900 1'060; 1950 1'214; 1970 1'529; 1980 1'553; 2000 2'558.

Spuren eines röm. Gutshofs entdeckte man bei Ouffemaz. 1828 wurde ein frühma. Gräberfeld zwischen C. und Allens freigelegt. 1096 schenkte Ulrich, Herr von C., die auf seinem Allod gelegene Kirche dem Kloster Romainmôtier. In der Schenkungsurkunde wird auch eine im Osten des Fleckens gelegene Burg (in der frühen Neuzeit eine Ruine) erwähnt. Der Ort war befestigt; die Überreste dreier nacheinander errichteter Ringmauern datieren aus dem 11., dem 13. und dem 14. Jahrhundert. C. war bis 1406 im Besitz des gleichnamigen Adelsgeschlechts und fiel danach an das Haus Savoyen. Im 13. Jh. erhielten die Einwohner von C. ein Stadtrecht und einige Freiheiten. Ende des 14 Jh. vernichtete ein Brand, der die Stadt grossteils zerstörte, die entsprechenden Urkunden, worauf ihnen Johanna von C. 1398 erneut Privilegien gewährte. Bürgermeister und Ratsherren lenkten die Geschicke der Stadt. 1414 bestätigte der Gf. von Savoyen C. seine Freiheiten. Die Stadt entsandte spätestens ab 1430 Vertreter in die Waadtländer Landstände. Unter bern. Herrschaft (1536-1798) gehörte C. zur Vogtei Morges und war Sitz eines Kastlaneigerichts. Die Geschäfte der Stadt wurden von zwei Räten geführt, einem zwölf- und einem vierundzwanzigköpfigen, denen je ein Venner vorstand. 1798 wurde C. zum Hauptort des nach ihm benannten neuen Bezirks. Im Jahr 2000 zählte die städt. Exekutive fünf, die städt. Legislative fünfundfünfzig Mitglieder, die auf einer gemeinsamen Liste kandidiert hatten. In C. sind versch. Dienststellen des Kt. Waadt angesiedelt. Das Bezirksgericht wurde 2000 im Rahmen einer regionalen Neuorganisation nach Nyon verlegt.

Die Pfarrei- und Prioratskirche, St. Peter und Paul geweiht, ist seit 1096 urkundlich belegt. Bei Ausgrabungen 1909-11 und 1971-73 kamen zwei Vorgängerbauten zum Vorschein: Eine im 8. Jh. erbaute Saalkirche mit einem trapezförmigen Chor und eine Dreiapsidenanlage aus dem 9. Jh. Die heutige Kirche, 1901 zum kant. Baudenkmal erklärt, ist wesentlich grösser als ihre Vorgängerinnen und weist cluniazens. Einflüsse auf. Die dreischiffige Anlage geht auf das 11. oder 12. Jh. zurück, der Chor auf das 13. Jh. Der Glockenturm wurde an Ostern 1407 begonnen; die Vorhalle entstand im 20. Jh. Die Kirche wurde 1856-60, 1913-14 und 1921-23 renoviert. Die 1228 belegte Pfarrei umfasste im 14. Jh. C. und Dizy. Im 15. Jh. kamen La Chaux, das nach der Reformation eine Filiale wurde, sowie Lussery und Senarclens dazu. Die kath. Pfarrei, zu der C. und Umgebung gehören und die insgesamt 32 Gemeinden umfasst, wurde 1949 geschaffen. Das Benediktinerpriorat, das die Herren von C. vermutlich in der ersten Hälfte des 12. Jh. gestiftet hatten, wurde 1228 erstmals erwähnt. Es war dem Priorat Lutry unterstellt, das wiederum Savigny im Lyonnais gehörte. 1387 schenkte Louis III. von C. dem Prior das Erbe seines Bruders und seiner Schwester, dank dem die Zahl der Mönche von drei auf sechs erhöht werden konnte. Die Kapellen des hl. Antonius und der Jungfrau Maria unterstanden dem Prior. Das Antonius-Spital, das Louis II. von C. 1311 dem Priorat geschenkt hatte, wurde 1340 an die Gemeinde abgetreten, vermutlich eine Folge der aus den Schenkungsbedingungen (Gebäudeunterhalt, Bau einer Kapelle, deren Kaplan im Priorat Kost und Logis erhält, usw.) resultierenden Kosten. Die Erwähnung eines jüd. Friedhofs 1493 lässt darauf schliessen, dass hier früher eine israelit. Gemeinde bestand.

1672 gab Bern die ehemaligen Prioratsgebäude dem Herrn von Penthaz zu Lehen. Darin wurden die Gefängnisse und der Getreidespeicher untergebracht. Das in der zweiten Hälfte des 18. Jh. neu errichtete Gebäude gelangte 1804 in den Besitz der Stadt und befindet sich heute in privater Hand. Das Château C. oder Maison Delessert war der Privatwohnsitz mehrerer örtl. Notablen, bis es 1693 von der Fam. Delessert erworben wurde, die es bis 1879 besass.

<b>Cossonay (Gemeinde)</b><br>Ansicht der Gewerbezone von Cossonay, um 1940. Fotografie von  Emile Gos (Bibliothèque cantonale et universitaire Lausanne) © Musée de l'Elysée, Lausanne.<BR/>Die Gewerbezone am Ufer der Venoge profitierte in der Mitte des 19. Jahrhunderts vom Bau der dem Fluss entlang führenden Eisenbahnlinie. Im Vordergrund erkennt man die Société des Câbleries et Tréfileries SA, dahinter den Bahnhof und die Grands Moulins.<BR/>
Ansicht der Gewerbezone von Cossonay, um 1940. Fotografie von Emile Gos (Bibliothèque cantonale et universitaire Lausanne) © Musée de l'Elysée, Lausanne.
(...)

Viehzucht und Getreidebau waren in C. zu allen Zeiten vorherrschend, doch wurde bis ins 15. Jh. auch Weinbau betrieben. Noch im MA entstand am Ufer der Venoge eine Gewerbezone (heute im Gemeindegebiet von Penthalaz). Die ab dem 17. Jh. als Grands Moulins bezeichneten Mühlen gehen vermutlich auf das beginnende 15. Jh. zurück. Auch die Mühle von L'Ilette stammt aus dem MA. Für den Bau und Unterhalt des Entreroches-Kanals und den Betrieb der Mühlen wurden grosse Mengen Holz benötigt. Im 17. Jh. verpachtete Bern der Kanalgesellschaft einen Teil des Eichenwalds von Le Sépey, der fortan Bois du canal hiess. Im 19. Jh. erfuhr die Gewerbezone eine Modernisierung und Diversifizierung. Mit der Eröffnung der Eisenbahnstrecken Morges-Yverdon 1855 und C.-Vallorbe 1870 wuchsen die Betriebe am Venogeufer; die Mühlen wurden ausgebaut, eine Kondensmilchfabrik, ein Kabelwerk und eine Besenfabrik siedelten sich an. Das Städtchen C. erlangte einen gewissen Wohlstand und zu den Bauern und Kleingewerblern gesellten sich nun auch Arbeiter. Anfang des 20. Jh. war C. Sitz einer der fünf französischsprachigen Sektionen des Schweiz. Metall- und Uhrenarbeiterverbands. In der Gemeinde blühte der Einzelhandel auf. 1897 wurden eine Standseilbahn, welche den Bahnhof mit der Stadt verbindet, und ein Kasino eingeweiht; Letzteres wurde 1922 in ein Kino umgewandelt. Auch die seit jeher betriebene Viehzucht entwickelte sich weiter. Die Jahr- und Viehmärkte von C. gehörten Anfang des 20. Jh. bis zur Schaffung des Comptoir suisse (1920) zu den bedeutendsten des Kantons. Die 1923 gegr. Société des Câbleries et Tréfileries S.A., heute Alcatel Cable Suisse SA (Câbles Cortaillod), brachte dem Ort einen beachtl. Aufschwung. 1948 beschäftigte das Unternehmen 650 Arbeiter und Angestellte. Mit der Eröffnung der Autobahn A1 zwischen Lausanne und Yverdon Anfang der 1980er Jahre kamen viele Pendler nach C. Die Gemeinde modernisierte ihre Infrastruktur. 1982-89 wurde das interkommunale Schulzentrum Pré-aux-Moines errichtet, 1984 der Zonenplan erstellt. 1982 schenkte der Architekt Alberto Sartoris sein Haus sowie sein Architektur- und Kunstgeschichtsarchiv dem Bund; die ETH Lausanne verwaltet diese Sammlung. In der Zwischenkriegszeit wurde das Naturschutzgebiet Etang du Sépey in einer nach dem 1. Weltkrieg aufgegebenen Tongrube der örtl. Ziegelei angelegt.


Literatur
– E. Recordon, Histoire des Grands Moulins de C., 1941
– P. Benz, C., 1954
– E. Chabanel, C. 1798-1950, 5 Bde., 1979-1992
– H. Rieben et al., Portraits de 250 entreprises vaudoises, 1980, 116-120
– F. Charlet, C., un bourg, une dynastie, 1985
HS III/1, 458-470
– N. Descœudres, C.: architecture publique et privée, 1650-1850, Liz. Lausanne, 1996

Autorin/Autor: Paola Crivelli / EM