No 13

Lussi [Lussy], Melchior

geboren 1529 Stans, gestorben 14.11.1606 Stans, kath., von Stans. Sohn des Johann, Talvogts in Engelberg. Enkel des Johann ( -> 4), Bruder des Wolfgang ( -> 16), Neffe des Arnold ( -> 2). ∞ 1) Katharina Amlehn, von Luzern, 2) Marie Cleopha Zu Käs, von Luzern, 3) Anna Auf der Maur, von Schwyz, 4) Agatha Wingartner, von Stans. Besuch der Klosterschule Engelberg. 1544 erlernte L. bei seinem Onkel Peter, dem Landvogt in Bellinzona, die ital. Sprache und arbeitete dann als amtl. Dolmetscher beim Landvogt von Locarno. 1551-55 arbeitete er als Landschreiber von Nidwalden. 1554 war L. oberster Feldschreiber in franz. Diensten. Er führte die päpstl. Schweizertruppen ins Gefecht bei Paliano (1557 Niederlage). 1558 lebte er als Landvogt in Bellinzona. Seine Freundschaft mit Karl Borromäus, dem späteren Ebf. von Mailand, eröffnete ihm den Zugang zu einflussreichen Kreisen Oberitaliens und führte 1560 zum Abschluss eines Soldvertrags mit Venedig. Die Pensionsgelder, die L. als Oberst der Schweizer in venezian. Diensten bezog, verhalfen ihm zu Ansehen und Reichtum. Er erwarb das Winkelriedhaus, das er zu einem repräsentativen Renaissancehaus ausbaute, sowie weitere Liegenschaften in Stans und Obbürgen. 1561 wurde L. zum Landammann von Nidwalden gewählt, ein Amt, das er bis 1595 elfmal ausübte. 1562-63 war er Gesandter der kath. Orte am Konzil von Trient. Er unternahm polit. Missionen zu den Päpsten, nach Paris (zur Bundesbeschwörung mit Frankreich 1582), nach Madrid (1589), Savoyen und Florenz. 1580 war er Landvogt in Lugano. L. engagierte sich für die kath. Reform. Er liess 1582 Kapuziner nach Nidwalden kommen und stiftete das Kloster in Stans. Im Alter wollte sich L. als Eremit zurückziehen, seine Frau und Verwandte überredeten ihn jedoch, in seinen Ämtern zu verbleiben. 1586 entstand das sog. Hechhuis (Hochhaus), ein herrschaftl. Landsitz in Wolfenschiessen. 1583 unternahm L. eine Pilgerreise nach Jerusalem, über die er einen Bericht veröffentlichte, und 1590 nach Santiago de Compostela. 1593 übernahm L. als Erster das Amt des Landeshauptmanns von Ob- und Nidwalden. Ein Schlaganfall zwang ihn 1596 zum Rückzug aus der Politik. L. war neben Ludwig Pfyffer von Altishofen der bedeutendste schweiz. Staatsmann der 2. Hälfte des 16. Jh. und spielte eine führende Rolle in der kath. Reform und der Gegenreformation. In seinem Heimatkanton bestimmte er die Politik von 1561 bis zum Ende des Jahrhunderts massgeblich. 1583 Ritter vom Hl. Grab zu Jerusalem.


Literatur
– K. von Deschwanden, «Urkundl. Verz. der Landammänner, Vorgesetzten und Amtsleute des Landes Unterwalden nid dem Wald», in Gfr. 27, 1872, 32-42
– R. Feller, Ritter Melchior Lussy von Unterwalden, seine Beziehungen zu Italien und sein Anteil an der Gegenreformation, 2 Bde., 1906-09
– H. Achermann, H. Horat, Das Winkelriedhaus, 1993, 32-35
– C. Schweizer, «Melchior Lussy», in Nidwaldner Kal. 148, 2007, 161-167

Autorin/Autor: Fabian Hodel