Cudrefin

Politische Gemeinde VD, Bezirk Broye-Vully, am nordöstlichen Ufer des Neuenburgersees gelegen, umfasst auch Montet und seit 2002 Champmartin. 999 Curtefin. 1416 70 Feuerstätten; 1453 60; 1764 483 Einw.; 1803 626; 1850 683; 1900 658; 1950 651; 1970 544; 2000 844.

Zahlreiche archäolog. Funde ab dem Neolithikum. Ab 999 gehörte C. zur Herrschaft des Bf. von Sitten, der es 1246 Peter II. von Savoyen verkaufte. Die Stadt C., erstmals 1268 belegt, musste zwischen 1246 und 1255 erbaut worden sein. Zu Beginn des 14. Jh. gelangte sie an die Herren von Grandson, die sie bis zur Konfiskation der Güter von Otto III. im Jahr 1393 besassen. 1403 gehörte sie zur Apanage des Bastards Humbert. Zu einer nicht bekannten Zeit hatte sie Stadtrechtsprivilegien erhalten, die ihr 1471 bestätigt wurden. C. wurde zum Sitz einer Kastlanei, die territorial dem gleichnamigen Kreis ohne Bellerive entsprach. In den Burgunderkriegen wurde die Stadt von den Freiburgern besetzt. 1536 unterwarf sie sich den Bernern, die sie mit Avenches zu einer einzigen Landvogtei vereinten. Im Unterschied zu Avenches unterstand C. aber weiterhin dem Waadtländer Landrecht. 1798-2006 gehörte C. zum Distrikt bzw. Bezirk Avenches. Die Gemeindegeschäfte regelte der Zwölferrat, dem ein Kastellan als Vertreter Berns vorstand. Um 1280 war C. durch einen Graben geschützt und an ihren Süd- und Nordpunkten durch zwei Kastelle oder Befestigungstürme verstärkt. C. ist eine der wenigen Stadtgründungen der Waadt, die nach einem viereckigen Grundriss angelegt wurden. Die Stadt gehörte kirchlich zur Pfarrei Montet und besass ab 1342 eine Kapelle, die vor 1522 neu erstellt wurde (Standort der heutigen ref. Kirche); 1553-54 wurde ein Turm angefügt, der 1636-37 umgebaut wurde. Von 1605 datiert der Gerechtigkeitsbrunnen, ein Werk von Benoît Magnin. 1790 zerstörte ein Feuer einen Teil der Stadt; seit Anfang des 19. Jh. veränderten versch. Eingriffe das Stadtbild sichtbar, so v.a. 1839 der Neubau des Rathauses und die Abtragung der Stadttore. In einem schönen Gebäude in Vers-chez-Jacot wurde die Schule untergebracht. Die erste Juragewässerkorrektion liess ein grosses Feuchtgebiet entstehen, Rückzugsort für viele Vögel und seit 1970 Naturschutzgebiet. Zwei grosse Segelhäfen, ein Badestrand und Ferienhäuser beleben den Ort, der zu einem tourist. Anziehungspunkt geworden ist.


Literatur
– M. Grandjean, «Villes neuves et bourgs médiévaux», in L'homme dans la ville, 1984, 61-100
C.: la ville retrouvée, 1999
C.: de la ville neuve savoyarde aux campagnes du XIXe siècle, hg. von M. Grandjean, 2000

Autorin/Autor: Brigitte Pradervand / GS