No 15

Michel, Luzi

geboren 9.1.1841 Igis (Lucius Johannes), gestorben 17.1.1876 Sils im Domleschg, ref., von Igis. Sohn des Christian, Landwirts und Ammanns, und der Anna Margreth geb. Ladner. ∞ Barbara Barfuss. Kantonsschule in Chur, als Landwirtschaftsarbeiter im Thurgau tätig, 1862 Matura in Chur. Theologiestud. in Jena und Zürich. 1866 Aufnahme in die Synode in Davos, 1866-69 Provisor im Pfarramt Peist, 1869-76 Pfarrer in Sils und Mutten. 1870 Gründer der jungdemokrat. Bewegung in Graubünden, einer radikalen Abspaltung der liberalen Partei. Ab 1873 Herausgeber und Redaktor der Zeitschrift "Der Volksmann" (für die Interessen der Kleinbauern, Knechte und Arbeiter im Bündnerland). Erlass eines Mahnschreibens zur Mässigung an M. des Kirchenrats von Graubünden. 1875-76 Bündner Grossrat. Polit. Tätigkeit als Publizist, Beziehungen zum Churer Grütliverein und zur Sozialdemokratie. M. war ein ref. Sozialreformer und Vorläufer des religiösen Sozialismus und wohl der erste Theologe der Schweiz, der sich zum Sozialismus bekannte.


Werke
Für die Missachteten des Volkes, 1874
Literatur
– A. Knellwolf Der Volksmann Luzi M., 1905 (21913)
– M. Mattmüller, Leonhard Ragaz und der religiöse Sozialismus 1, 1957
– R. Barth, «Luzi M. (1841-1876)», in BM, 1984, 270-279
– F.W. Bautz, Biogr.-Bibliogr. Kirchenlex. 19, 2001, 977-979

Autorin/Autor: Jan Pagotto-Uebelhart