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Lengnau (BE)

Polit. Gem. BE, Amtsbez. Büren. Gem. am Jurafuss mit Anteil am Jurahang und an der Aareebene bis zum alten Aarelauf (Gemeindegrenze). 983-1002 Lengenach, 1228 Longieuva, franz. früher Longeau. 1764 497 Einw.; 1850 816; 1880 1'080; 1900 1'649; 1920 2'091; 1950 2'782; 1980 4'317; 2000 4'459. Spätpaläolith. bis neolith. Lesefunde (u.a. Silices) in der Aareebene, bronzezeitliche im Lengnauwald sowie latènezeitl. und röm. Siedlungs- und Grabfunde mit Resten einer Römerstrasse (Ei) weisen auf frühe Besiedlung. Als Teil der Herrschaft Strassberg(-Büren) kam L. 1388/93 an Bern und zur Vogtei Büren. 1318 im Konflikt zwischen Solothurn und Österreich wurde das Dorf mit der Germanus-Kirche (1323 erw.) zerstört. Die wiederaufgebaute Kirche wurde 1630-40 erneuert und 1959-60 renoviert. Inhaber des Kirchensatzes war ab 1374 das Kloster Bellelay, das sein Kollaturrecht auch in der 1528 reformiert gewordenen Kirchgemeinde L. bis zur Klosteraufhebung 1797 ausübte.

Die Landwirtschaftszone in der ehem. Schwemmebene (Lachen, Gr. und Kl. Ei, Witi) mit Aussiedlungshöfen verdankt L. der Juragewässerkorrektion (Kanalbau 1868-75) und Meliorationen des 20. Jh. Im Lengnauwald wurden im 19. Jh. Huppererde (Ton mit hohem Quarzanteil) und Bohnerz abgebaut. Ende des 19. Jh. leitete die Uhrmacherei die Entwicklung vom Bauerndorf zum Industrieort ein: Im Zeitraum 1889-1927 entstanden neben anderen Unternehmen (z.B. Holzbau, Maschinenbau) über ein Dutzend Uhrenfabriken und Zulieferfirmen der Uhrenindustrie, die in der Krise der Uhrenindustrie ab 1970 z.T. schlossen. Trotz der Ansiedlung neuer Branchen (u.a. Präzisionsmechanik, Elektronikbetriebe, Décolletage), ab 1983 in der Industriezone "Lengnauermoos", arbeiteten 2000 zwei Drittel der Erwerbstätigen auswärts, v.a. in den Agglomerationen Biel, Grenchen und Bern, wobei die gute Verkehrsanbindung an Strasse (Autobuskurse) und Bahn (Linie Olten-Biel 1857 mit Zweigstrecke nach Moutier 1915) das Pendeln erleichtert. Zuzüger lösten insbesondere zwischen 1950 und 1990 eine starke Bautätigkeit aus, u.a. entstand das kath. Kirchenzentrum L.-Pieterlen-Meinisberg (1975) und das Alters- und Pflegeheim (1988). L. verfügt über drei Schulanlagen, jene im Dorf beherbergt auch die 1899 gegr. Sekundarschule.


Literatur
– R. Grossenbacher, M. Hügli, Moutier-Grenchen-L., 1915-1990, 1990
L., 1991
– R. Walker, Bauinventar der Gem. L., 2003

Autorin/Autor: Anne-Marie Dubler