27/01/2005 | Rückmeldung | PDF | drucken

Flurlingen

Polit. Gem. ZH, Bez. Andelfingen. Dorf am Rhein westlich des Cholfirstes. 876 Flurlingin. 1467 31 Haushalte; 1637 170 Einw.; 1708 329; 1850 400; 1900 902; 1910 1'023; 1930 895; 1950 951; 1960 1'049; 1970 935; 2000 1'248.

Frühma. Gräberfeld. Im 9. Jh. villula in der Mark Laufen. Auch im SpätMA teilte F. das Schicksal der Herrschaft Laufen, die hochgerichtl. Teil der Grafschaft Kyburg war. So verfügte Zürich ab 1424 bzw. 1452 über die hohen und ab 1544 auch über die mittleren Gerichte. Die niederen Gerichte und die Vogtei über das Dorf besassen bis 1798 die Bf. von Konstanz (Amt Uhwiesen). 1814 wurde F. mit Uhwiesen und Dachsen zu einem Gemeindeverband zusammengeschlossen, aus dem es sich 1841 wieder löste. Kirchlich gehört F. seit dem MA zu Laufen. Das 1435 erwähnte Leprosenhaus Geisstal ist nach der Reformation abgegangen, das Pfrundgut wurde 1798 aufgehoben. Die um 1371 gestiftete "Klause am Stein", mit Marienheiligtum und Pfründe für eine Frau, ist bis 1438 bezeugt. Offnung und Einzug wurden im Verband mit den Gem. der Herrschaft Laufen und des Amtes Uhwiesen geregelt. Zu Beginn des 16. Jh. tritt F. in Rechtsstreitigkeiten als Dorfgemeinschaft in Erscheinung. Das Gemeindehaus mit Trinkstube, Schulzimmer und Glockenturm wurde 1775 neu erbaut. Insgesamt 18 Trotten unterstreichen die damalige Bedeutung des Weinbaus. Landhandwerk und ländl. Gewerbe waren 1770 u.a. durch Bauhandwerker, je einen Küfer, Schneider, Weber und Strumpfweber vertreten. Im 19. Jh. wurde Kalktuff abgebaut. 1849 entstand die Strasse nach Feuerthalen, 1860 der Fussgängersteg über den Rhein nach Schaffhausen (1921 erneuert, 1942 durch Brücke ersetzt), 1922 die Rheinbrücke zum Bahnhof Neuhausen und 1993-96 die Autobahnbrücke der A4. Die Tonwarenfabrik Ziegler (1831-1918) und die Mechan. Bindfadenfabrik Schaffhausen (1872), heute Arova Schaffhausen AG, sind die beiden dominierenden Industriekomplexe des 19.-20. Jh. In neuerer Zeit wandelte sich F. zur periurbanen Gem. der Agglomeration Schaffhausen. 2000 war knapp die Hälfte der in F. Erwerbstätigen im 3., gut ein Drittel im 2. Sektor beschäftigt.


Literatur
– H. Kläui, F. von den Anfängen bis in die Neuzeit, 1976

Autorin/Autor: Martin Illi