Labhardt [Labhard, Labhart]

Die Fam. L. gehörte ab dem SpätMA zur Konstanzer Führungsschicht. Mit Hans stellte sie zwischen 1480 und 1493 mehrmals den Frauenfelder Obervogt. Im Thurgau ist die Fam. spätestens ab dem 16. Jh. in Steckborn verbürgert, wo sie zur kleinstädt. Honoratiorenschicht gehörte. Bis zum Ende des Ancien Régime waren ihre Mitglieder im Rat und stellten mehrere Bürgermeister und Ammänner. Einzelne Familienmitglieder besetzten städt. Ämter wie Pfleger, Ratschreiber und Seckelmeister. Daneben waren die L. in handwerkl. Berufen als Färber, Gerber, Bäcker, Müller, Wirte, Metzger und Hutmacher zu finden, ausserdem sind sie als Uhrmacher, Kaufleute, Chirurgen und Lehrer nachgewiesen. Nach 1798 gelang der Fam. der Aufstieg in die neuen polit. Ämter. Mit Johann Jakob (im Amt 1798-1800) stellte sie ein Mitglied des helvet. Gr. Rats. Im 19. Jh. brachte die Fam. mit Emanuel (1810-74) einen regional bedeutenden Maler und Grafiker und mit Paul Labhart ( -> 4) einen Fotografen hervor. Im 19. und 20. Jh. erscheinen die L. auch als Gemeindeammänner sowie als Bezirks- und Kreisbeamte (häufig Richter). Mit Philipp Gottlieb ( -> 5) stieg ein Familienmitglied in die kant. und nationale Politik auf. Im gleichen Zeitraum brachte die Fam. einige Militärs hervor. Am bekanntesten wurde Jakob Labhart ( -> 3) als Generalstabschef. André ( -> 1) machte sich als Altphilologe eine Namen. Im frühen 18. Jh. wanderte ein Familienzweig der L. nach Frankreich aus. Jean Henry (1674-1753) eröffnete 1713 in Paris eine Bank (Labhard & La Poire) und machte später im Rahmen der sog. Mississippi-Gesellschaft John Laws riesige Gewinne. Sein Neffe Daniel (gestorben 1775) erwarb Schloss Glarisegg in Steckborn und liess es 1774-75 neu errichten.


Literatur
– H. Lüthy, «Les Mississipiens de Steckborn et la fortune des barons d'Holbach», in Schweizer Beitr. zur Allg. Gesch. 13, 1955, 143-163
– P.F. Kramml, Ks. Friedrich III. und die Reichsstadt Konstanz, 1985, 522

Autorin/Autor: Verena Rothenbühler