05/06/2014 | Rückmeldung | PDF | drucken

Aubonne (Gemeinde)

Polit. Gem. VD, ab 1798 Bez. Aubonne, ab 1803 dessen Hauptort. Landstadt über der Aubonneschlucht, mit den Weilern Trévelin und Bougy-Saint-Martin. 1177 Albona. A. und seine Burg beherrschten die Aubonnebrücke an der Strasse Genf-Cossonay. 1417 200 Haushaltungen; 1764 1'101 Einw.; 1850 1'730; 1900 1'736; 1950 1'682; 2000 2'570.

Älteste menschl. Zeugnisse sind Funde aus der Bronzezeit. Aus röm. Zeit stammen eine Villa in Trévelin und ein Flachrelief (Gladiatoren), aus dem FrühMA Gräber. Als Siedlung ist A. ab 1189 belegt; 1226 ist erstmals ein Bürger bezeugt. 1234 umschrieb ein Schiedsvertrag zwischen drei Brüdern d'A., Herren von A., die Rechte der Bürger. Damals umgab bereits eine Wehrmauer die Stadt. Vom 13. Jh. an besassen die Herren (ältere Linie) und die Mitherren von A. (jüngere Linie) vermischte Rechte in A. 1255 gelangte A. in savoy. Besitz. In der Savoyerzeit wurden die Freiheiten der Stadt genauer gefasst. Zwischen 1319 und 1343 dehnte sich die Stadtsiedlung nach Westen aus, wo sich mehrere Adelsfam. niederliessen. Vom 14. Jh. bis 1625 hatten die Bürger von A. als Mitbürger Genfs an den Übergängen über Arve und Rhone keine Brückenzölle zu entrichten. Wochenmärkte wurden vom 13. Jh. an abgehalten. Zudem erhielt A. 1487 das Recht auf zwei dreitägige Jahrmärkte. A. führte langwierige Prozesse mit seinen Herren, v.a. in der 2. Hälfte des 17. Jh. mit Henri Duquesne und Gabriel-Henri de Mestral. 1701 kam die Landstadt mit der neuen Vogtei A. unter die Herrschaft Berns. Der bern. Landvogt bezog das Schloss, das Jean-Baptiste Tavernier und Duquesne wieder aufgebaut hatten. Im 18. Jh. stand der Stadt ein Stadtrat vor, mit dem Bannerherrn als Haupt und zwölf Räten, wovon zwei Stadtbürger als "Gewählte" die Stadtbewohner vertraten. Ersatzleute standen in einem zwanzigköpfigen Zweitrat zur Verfügung. A. war damals eine der bedeutendsten und einwohnerreichsten Städte der Region. Gegen Ende des 18. Jh. wuchs die Abneigung gegenüber der bern. Herrschaft. So wurden 1798 die Ideen der Franz. Revolution begrüsst, und der Aufstand der Bourla-Papey im Mai 1802 konnte auf zahlreiche Sympathisanten zählen.

Vor der Gründung von A. war Trévelin mit der Pfarrkirche Notre-Dame der einzige bewohnte Ort. Eine andere Pfarrei, Bougy-Saint-Martin, wurde 1276 aufgehoben. Erst 1306 wurde in A. selbst die Kapelle Saint-Etienne geweiht. Das Dekanat A. umfasste alle Pfarreien des Bistums Genf nördl. der Rhone. 1444 wurde sein Sitz nach Gex (F) verlegt. Ein Abkommen zwischen Bern und dem Gf. von Greyerz, damals Herrn von A., regelte 1537 den ref. Gottesdienst. Dabei wurde die Kapelle Saint-Etienne zur Pfarrkirche erhoben. Die neue Pfarrei umfasste die Filialen Féchy, Montherod, Pizy und (ausser im 19. Jh.) Lavigny; auch Bougy-Villars gehörte im 19. Jh. dazu. 1847-1965 bestand eine Gem. der ref. Freikirche des Kt. Waadt. Eine kath. Pfarrei wurde im 20. Jh. wieder errichtet.

Die 1858 erbaute Bahnlinie Lausanne-Genf berührte A. nicht. Dies war mit ein Grund, weshalb die Gem. im 19. Jh., mit Ausnahme der 1853 gegr. und 1997 privatisierten Eidg. Pulverfabrik in La Vaux, nicht industrialisiert wurde. Erst mit der Allaman-A.-Gimel-Bahn (heute Busbetrieb) erhielt A. 1896 Anschluss an das Bahnnetz. Die Eröffnung der Autobahn belebte 1964 Stadt und Region: Der Erfinder des Velcro (Klebverschlüsse) errichtete hier seine erste Fabrik. Handwerk, Pharma- und Möbelindustrie prägen heute den 2. Sektor. Im 1963 angelegten Arboretum im Tal der A. entstand 1967 ein Holzmuseum.


Literatur
– J.-F. Robert, «Le Conservatoire rural de l'arboretum d'A.», in Folklore suisse 68, 1978, 59-68
– F.L. Colomb, P. Lincio, A. à l'écoute des vieilles pierres, 1979
– M. Grandjean, Les temples vaudois, 1988
A. et ses environs à la Belle Epoque, hg. von M. Biéri, 1991

Autorin/Autor: Germain Hausmann / AA