Zollikofer

St. Galler Kaufmannsfamilie, die aus Konstanz stammte. In der 1. Hälfte des 15. Jh. erwarben die Brüder Hans (1395-1471) und Jobst (1398-1476) das Bürgerrecht der Stadt St. Gallen. Dank des Leinwandhandels gelangten die Z. zu Vermögen und stiegen zu einer der führenden Fam. auf. Bis um 1750 waren zahlreiche Mitglieder im Fernhandel tätige Grosskaufleute, die der Gesellschaft zum Notenstein angehörten. Unter ihnen liess sich ein Teil u.a. in Lyon und Marseille nieder. Weitere Z. übernahmen polit. Ämter. Heiratsverbindungen bestanden v.a. zu anderen einflussreichen St. Galler Handelsfamilien wie den von Watt und Zili. Die Söhne von Hans, Sebastian (1444-1502), Erster der schwarzen Linie, deren spätere Angehörige sich Z. von Nengensberg nannten, und Ludwig ( -> 20), Erster der roten Linie, gründeten die Zollikofer'sche Handelsgesellschaft. Nachdem die Fam. 1471 einen Wappenbrief von Ks. Friedrich III. erlangt hatte, erhob Ks. Rudolf II. 1578 die Angehörigen der roten und 1594 jene der schwarzen Linie in den Adelsstand. Ludwigs Enkel Leonhart ( -> 18) kaufte 1564 den Landsitz Pfauenmoos (Gem. Berg SG) sowie 1585 das Schloss und die Herrschaft Altenklingen. Dank eines 1586 gegr. Fideikommisses war das Schloss Altenklingen noch zu Beginn des 21. Jh. im Familienbesitz. Ausgehend von Leonhart und seinen Brüdern Laurenz (1519-77), Georg (1525-1600) und Jos (1535-1617) lassen sich Linien mit den Zunamen von Altenklingen und von Sonnenberg unterscheiden. Nachkommen von Georg brachten nach der Mitte des 17. Jh. in Preussen zahlreiche Militärs hervor. Neue Zweige entstanden im 18. Jh. in Amerika. Joachim ( -> 12), der Sohn von Laurenz, wurde 1613 Bürgermeister der Stadt St. Gallen, ebenso Julius Hieronymus ( -> 16) 1783. Die Z. stellten auch Geistliche wie Georg Joachim ( -> 8) oder Ärzte wie Caspar Tobias ( -> 3). Nach dem Niedergang des Leinwandhandels wandten sich ab 1750 versch. Z. dem Handwerkerstand zu. Johannes ( -> 13) gründete in St. Gallen 1789 eine Buchdruckerei, die ab 1841 das "Tagblatt der Stadt St. Gallen und der Kt. St. Gallen, Appenzell und Thurgau" herausgab. In der St. Galler Kantonsregierung wirkte Julius Hieronymus ( -> 17) ab 1803 mit, Ludwig Arnold ( -> 21) war 1873-1906 Regierungsrat. Die Fam. förderte mit Stiftungen v.a. das öffentl. Schulwesen in St. Gallen.


Archive
– StadtA St. Gallen
– StATG, FamA
Literatur
Schweiz. Geschlechterbuch 5, 772-801
– M.-H. Kesselring-Zollikofer, C.L. Zollikofer, Das Fideikommiss der Z. von Altenklingen, 2010

Autorin/Autor: Rezia Krauer